OECD warnt vor schwacher globaler Konjunktur


Money rules

Wachstum ein Allheilmittel?

Arno von RosenDie „Organsisation for Economic Co-operation and Development“ (deutsch = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) besteht aus 34 zumeist entwickelten Staaten mit teilweise hohem Prokopfeinkommen, wurde 1961 als Nachfolge der OEEC, einer europäischen Variante, gegründet und hat ihren Sitz in Frankreich, Paris. Die Mitgliedsländer haben sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet, eigentlich. Aber was ist davon übrig, denn wir schreiben das Jahr 2016 und 1949 scheint für die Menschheit so lange her zu sein wie Ritter und Edelleute aus dem Mittelalter.

Natürlich sind Deutschland, USA, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Japan usw. vertreten, nur eben China nicht, aus Sicht der wirtschaftlichen Riesen. Was hat das alles mit globaler Konjunktur und Wachstum zu tun? Oder mit Demokratie und Marktwirtschaft?

Der Schlüssel bei all diesen Fragen ist die Finanzwelt, die schon wirklich lange weltumspannend ist, im Gegensatz zur Politik, die fröhlich regional vor sich hin dümpelt. Allein die USA beherrschen die Kunst Politik, Wirtschaft und Konflikte auf einen Nenner zu bringen. Dabei spielen Menschenrechte, Demokratie oder (soziale) Marktwirtschaft gar keine Rolle, denn dem Gewinn des Einzelnen wird die gesamte Welt untergeordnet, und so funktioniert dann auch die Konjunktur. Alles wird auf Umsatzsteigerung ausgelegt und das inzwischen weltweit. Es gilt schon seit Jahrzehnten nicht mehr als Erfolg, ein Land wirtschaftlich stabil zu halten, denn das Wachstum einer Volkswirtschaft (Gesamtvolumen aller Dienstleistungen und Güter eines Landes) ist Grundvoraussetzung für dessen Überleben und so ist 1% Steigerung ein laues Jahr, 2% besser und alles darüber ein Riesenbatzen mehr Geld in den Steuerkassen einer Nation. Aber wenn wir so viel Geld haben, warum kommen wir nicht mehr damit aus, wohin fließt es, und woher nehmen wir mehr Geld?

Historische_Staatsschuldenquote_Deutschlands_von_2000_bis_2013Dazu muss man wissen, dass Deutschland das am höchsten verschuldete Land in Europa ist mit einer Staatsschuldenquote von derzeit etwa 70% (ist in Europa im Durchschnitt 92%, alle Werte basieren auf dem Jahr 2014), was aber noch nicht wirklich etwas aussagt, denn die Quote wird im Verhältnis von Verschuldung und Umsatz eines Jahres gemessen. Der tatsächlich interessante Wert ist die Gesamtverschuldung von über 2.200 Milliarden Euro und jede Sekunde kommen 1.550 Euro hinzu! Damit hat jeder Bundesbürger vom Säugling bis zum Rentner über 26.000,- Euro Schulden bzw. jeder Erwerbstätige über 53.000,- Euro! Dagegen ist Griechenland mit 200 bis 300 Millionen Euro Schulden ein echter Fliegenschiss. Trotzdem sind wir der Wirtschaftsgigant in ganz Europa mit 29% aller Einnahmen und in der EU immerhin noch mit 21%. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Eine gigantische Leistung, angesichts der vielen Mitgliedsstaaten, aber nur so lange, wie wir es schaffen, jedes Jahr das BIP (Bruttoinlandsprodukt) zu steigern, was eigentlich volkswirtschaftlich nicht möglich ist, denn die Wirtschaft eines Staates unterliegt immer Zyklen. Hohe Zinsen bei hoher wirtschaftlicher Leistung (Sparer bekommen etwas für ihr Geld), niedrige Zinsen bei wirtschaftlich schwacher Konjunktur (der Anleger bekommt nur wenig Zinsen auf sein Sparvermögen). Derzeit bekommen wir wenig Ertrag bei superstarker Konjunktur, weil die EZB (Europäische Zentralbank) enorme Geldbeträge in den Wirtschaftskreislauf Bankenwesen pumpt, ohne das dieses Geld in die Wirtschaft investiert würde, denn es ist lukrativer, dieses Geld für sich selbst arbeiten zu lassen, als es als Kredit zur Verfügung zu stellen. Die Global Player freut dies, denn sie verfügen selbst über genügend Geld, um sich lästiger Konkurrenten zu entledigen.

Wir haben doch aber die schwarze Null. Wieso steigen unsere Schulden dennoch an? Jetzt haben wir des Pudels Kern erwischt. Die angebliche schwarze Null und die Schuldentilgung sind nichts anderes als Sondereffekte, und diese entstehen durch zum Beispiel Abschreibungen der Giftpapiere (Immobilienblase von 2008) der „Bad Banks“, also der miesen Bankinstitute, die den globalen Finanzkollaps ausgelöst haben und jetzt den Steuerzahler mit den heißen Papieren einfach stehen lässt, durch die Minderung der Einnahmen durch Anerkennung der wertlosen Papiere als Verlust beim Finanzamt. Natürlich mit Genehmigung der Regierung, denn es war alternativlos und systemrelevant und das eben aus dem Grund, weil der Staat selber mit über 40% aller Schulden bei deutschen Kreditinstituten verschuldet ist. Clever, nicht?

Aber die Deutschen stecken doch jedes Jahr 1,5 Billiarden in den Konsum. Warum hilft das nicht? Weil wir zwar eine Menge Geld ausgeben und die Schleife der Neuanschaffungen immer schneller läuft (Autos, Möbel, technische Einkäufe), aber die Kosten des Staates (sind ja eigentlich wir) unersättlich sind. Um die Staatsschulden für Wahlen klein zu halten und damit gut auszusehen, werden Kostensteigerungen gerne direkt auf den Bürger abgelegt, entweder als einseitig erhöhter Krankenkassenbeitrag, oder als Gebühren in der Gemeinde. Somit geben wir zwar das meiste Geld aus, aber vieles davon versickert in undurchsichtigen und korrupt regulierten Märkten, ob Pharmaindustrie, Automobilwesen, Arbeitsmarkt usw. Die Subventionen sind gigantisch und nicht selten völlig nutzlos oder sogar kontraproduktiv, denn ein mies bezahlter Billiglöhner ist zwar für den Arbeitgeber interessant, aber er nimmt nicht mehr am Wirtschaftskreislauf teil.

Fazit. Mehr Konsum bei sinkenden Reallöhnen, Steuerflucht der Unternehmen in Billiardenhöhe, undemokratische Entscheidungen wie TTIP werden Deutschland oder Europa nicht gesunden. Schon jetzt gehören 74 Menschen auf unserem Planeten über 50% aller existierenden Vermögenswerte. Da ist es nichts mit einer demokratischen Selbstverpflichtung, und die Finanzmärkte sind der Beschleuniger des Geldflusses. So schnell, dass dafür keine Steuern erhoben werden, weil der Mensch beim Finanzamt diese Transaktionen nicht mehr nachvollziehen kann. Dazu kommt, dass Länder wie die USA einen aussichtslosen Kampf gegen ihre Schuldner führen (auch Fracking gegen die Ölmultis inklusive Zerstörung der Umwelt), denn diese angeblich letzte Weltmacht hat die höchsten Auslandsschulden überhaupt. Mit über 30% bei den Saudis und über 20% bei den Chinesen (insgesamt 19,5 Billiarden Dollar und jede Sekunde kommen 100.000 Dollar hinzu). Somit ist die ganze Muskelspielerei ein Puppentheater oder der Vorhof zur Hölle namens Krieg. Wirtschaftsforscher prognostizierten schon längst den Zusammenbruch des Systems, denn das System ist nicht auf Dauer ausgelegt, sondern auf Gewinnmaximierung, und dabei kommen Menschen nicht vor, es sei denn, diese sind die Geldinhaber.

Mein Tipp. Legen Sie ihr Geld (falls Sie überhaupt welches haben) nie in Papierwerte wie Aktien, Lebensversicherungen (die Entwertung aller Versicherungen kommt garantiert und hat schon begonnen) oder dergleichen an, tilgen Sie lieber Schulden oder investieren Sie in feste Kapitalanlagen, aber Vorsicht, der Immobilienmarkt ist derzeit eine der größten Blasen auf unserem Planeten, wieder einmal, ohne jeglichen Lerneffekt.

Ihr Arno von Rosen, dem dieses Zitat gut gefällt:

„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“ (Autor unbekannt)

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5 Antworten zu OECD warnt vor schwacher globaler Konjunktur

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Hat dies auf Arno von Rosen rebloggt und kommentierte:

    Ich wurde gefragt, ob ich nicht auch mal etwas über Wirtschaftsabläufe schreiben könnte. Klar, kann ich, wozu habe ich sonst fast 25 Jahre lang Welthandel betrieben 😉

    Gefällt 3 Personen

  2. Corinna schreibt:

    Sehr interessant und wie immer fundiert. Ich glaube, heutzutage ist man echt besser dran, wenn man sich über Geld keine Gedanken machen muss… also auch, wenn man keins hat, das man irgendwo unterbringen müsste. Die Italiener wissen schon, warum sie sich lieber eine Wohnung kaufen und abzahlen.

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  3. Gisela schreibt:

    Sehr informativ, lieber Arno, danke. Leider kann es einem angst und bange werden, wenn man in die Zukunft sieht.

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  4. Flowermaid schreibt:

    … ein feines Zitat, das ich kannte… Sicherheit im Leben ist ein Versprechen von Versicherungen, die sie nie freiwillig erfüllen … dein Beitrag ist mega Arno !

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  5. drnessy schreibt:

    Ein toller Artikel, der mir die Zusammenhänge „unserer“ Schulden auf eine gut verständliche Art mit bekanntem ironischen Unterton 😉 auf unterhaltsame Weise näher gebracht hat! Liebe Grüße, Nessy!

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