Die Neue Rechte: Abschied von Nazis nur Augenauswischerei


flickr.com/ JamesReaFotos/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Versteckter Rassismus im Nationalismus – Patrioten geben sich die Ehre

Erneut versagen die demokratischen Wege, der Parteienlandschaft eine Chance wählbarer Alternativen anzubieten, da genügend Menschen im Pool „rechter Sammelbecken“ sich tummeln, die früher noch viel eher still hielten, sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands.

In der alten BRD entstand aus dem anfangs regierungsfreudigen Einerlei dreier Parteien, der CDU/CSU (ein Zweckbündnis und daher als eine Partei zu werten), der SPD und der FDP mit der angeblichen Überwindung und Verarbeitung der Geschehnisse zwischen 1933 und 1945, der Nazi-Zeit, schließlich das zwangsläufige Opponieren gegen eben jene Parteien. Zu Beginn per Studentenrevolten, schließlich über Bürgerproteste, was den Grünen ein Podium lieferte. Mit dem Fall der Mauer entwickelte sich ziemlich schnell ein Auftrieb der Linken, die vorher eher bedeutungslos im Westen agierten, übrigens genauso wie die NPD oder die Republikaner.

Doch was der Westen nicht richtig gestaltete, die vertiefte Aufarbeitung der Schreckensherrschaft der Nazis, denken wir an etliche nachträglichen Skandale wie die an Karl Carstens, Georg Kiesinger oder drüben in Österreich an Kurt Waldheim, um nur mal drei zu benennen, diese Übrigbleibsel der Nazi-Vergangenheit in die Gegenwart unverantwortlich veschwiegen hatten, gelang dem Osten mitnichten. Dort sorgte eine SED für eine zwar berechtigte Verurteilung der Nazi-Ära, schaffte aber letztlich mit dem sozialistisch-kommunistischen System eine ganz ähnliche Herrschaft, in der keinerlei Opposition geduldet wurde, ein Klima des tiefen Mißtrauens die Bevölkerung verunsicherte und klein hielt.

In sofern darf man sich keineswegs wundern, daß nach dem Mauerfall, der viel zu überhasteten Abwicklung der Ostdeutschen in dem wiedervereinigten, neuen gesamtdeutschen Staat vieles eben nicht gerecht zuging, denken wir an etliche Übervorteilungen mancher Westdeutsche, die schamlos sich in den neuen Bundesländern bedienten, bis hin zu eindeutigen Betrugsfällen. Mittendrin Menschen, die sich politisch neu orientieren durften, dabei manche zum ersten Mal auch mit rechten Kräften liebäugelten.

Was schon in alten DDR-Zeiten unter der Oberfläche brodelte, nach außen nicht gezeigt werden durfte, eine latente Abversion gegen Ausländer im Land, die im Zuge sozialistischer Partnerschaften mit Bruderstaaten geduldet leben durften, konnten die Frustrierten nunmehr offen ausleben, ohne gleich eine Gefängnisstrafe zu riskieren. Genau deshalb saß die NPD im sächsischen Landtag, zeigen sich bereits erneut besonders im Osten der Republik vermehrt Feindseligkeiten gegen Asylanten, Flüchtlinge und Einwanderer. Dabei wird kaum noch unterschieden, Hauptsache sie davonjagen, so die Einstellung.

Was eine NPD oder Republikaner nicht erreichten, gelingt jetzt einer AfD: das neue Sammelbecken all der Sympathisanten der Neuen Rechten. Da mögen Politiker wie Frauke Petry gern in geschickt präsentierten Reden verharmlosend an demokratische Gepflogenheiten erinnern, man werde schließlich per Wahl vom Volk beaufragt, dessen Interessen zu vertreten. Das stimmt zunächst wie für alle Parteien. Aber ein latentes Wegschauen und Verschweigen, wenn Übergriffe gegen ankommende Flüchtlinge stattfinden so wie jüngst in Clausnitz, sogar die Polizei sich mittels aufgebrachter aggressiver Menschenmenge instrumentalisieren läßt und selbst hart eingreift, wodurch gar ein Kind betroffen, das muß man als hochgradig gewaltverherrlichend rügen, dient keineswegs als vorbildhaftes Verhalten seitens einer Partei.

Sind wir schon so weit, daß gewiße Menschen jedwede Kritik seitens der Medien als „Lügenpresse“ lapidar abtun, keine Differenzierung mehr stattfindet, damit gleichzeitig angeheizte Menschenmengen sich über das Gesetz erheben dürfen, teils unter Duldung einer hilflos danebenstehenden Ordnungsmacht wie die Polizei? Auch dies hat eine AfD mit zu verantworten, genauso wie all jene, die sich hinter Begriffen wie Patriotismus wegducken. Sicherlich, gegen gesunden Patriotismus ist nichts einzuwenden, aber sobald dieser sich zusammentut mit einer Neuen Rechten, die gar offen rassistische Statements nicht nur duldet, sondern zunehmend auslebt, genau dann sollten sämtliche Alarmglocken schrillen!

Das Ende demokratischer Verhältnisse, wobei man wunderbar Rechts gegen Links gegeneinander erneut ausspielt, während im Hintergrund all jene frohlocken, die exakt dies so wollen? Nachtigall, ick hör dir trapsen, dies nicht erst seit kurzem, sondern schon ziemlich lange! Was geschieht hier vor unser aller Augen? Der Verfall im Land, in ganz Europa? Zurück in alte Zeiten, denken wir an faschistoide Herrschaften? Oder etwa ein blühendes anarchistisches Chaos voller Feindseligkeiten, wo niemand mehr dem anderen traut, weil Politik sich erübrigt hat?

Das wäre der Worst Case, wenn die Flüchtlingsfrage und diese EU zusammen mit der derzeitigen verantwortlichen Politik im Lande weiterhin dermaßen unglücklich verfahren, statt die Verantwortlichen, hauptsächlich die USA zur Rechenschaft zu ziehen und vor allem mit dem Volk zu agieren, es nicht zu übergehen oder gar lapidar als „Pack“ zu bezeichnen.

Dann möge sich doch eine AfD beweisen in den Landesparlamenten, im nächsten Jahr im Deutschen Bundestag, scharf beobachtet von all denen, die noch an einen Sozialstaat glauben, an Menschlichkeit, selbst wenn beides durch die bestehende Politik längst verloren geht. Eine Neue Rechte mag dies ändern wollen, aber kann man ihr auch trauen, wenn schon im Vorfeld sie Massen dermaßen leichtfertig beeinflußend gewähren läßt?

Lotar Martin Kamm

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5 Antworten zu Die Neue Rechte: Abschied von Nazis nur Augenauswischerei

  1. Bobo schreibt:

    Es sind keine wählbaren Parteien mehr übrig. Nicht einmal das kleinere Übel wie damals die SPD. Die Unverschämtheit ist, dass meine Stimme aufgeteilt wird unter den großen Parteien, samt der Wahlkampfkostenpauschale. Bei sinkender Wahlbeteiligung müssten auch Sitze im Bundestag unbesetzt bleiben.
    Die Zusammensetzung des Bundestags könnte auch wie in der Antike in Griechenland durch Los-Verfahren ermittelt werden. Jeder Interessierte könnte dann ein Los kaufen.

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  2. landbewohner schreibt:

    die neue rechte hat sich schon längst als schwarz-rot-grün etabliert. und da diese rechten das land beherrschen muß man sich über die afd kaum gedanken machen.

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  3. Maddin schreibt:

    Ist es demokratisch, dass Privatbanken permanent mit „Bürgergeldern“ gerettet werden? Ist es demokratisch, dass die NSA uns alle bespitzeln darf? Ist es demokratisch, dass deutsche Soldaten in Syrien Krieg führen? Ist es demokratisch, dass Vattenfall vor einem geheimen Schiedsgericht gegen uns klagt?? Ist es demokratisch, dass ein Millionenheer von Ausländern mit Wunsch einer kleinen „Elite“ nach Deutschland eingeladen wird, ohne dass der Bürger dazu gehört oder überhaupt gefragt wird??? Was ist wohl faschistischer???

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    • hraban57 schreibt:

      Alle Fragen kann man nur mit Nein beantworten. Allerdings rechtfertigt die Verfehlung einer kleinen „Elite“ nicht, deutlich rassistisch und ausländerfeindlich u.a. per Asylheimanstecken zu reagieren. Es gilt immer eine klare Differenzierung. Wer das unterläßt, trägt dazu bei, daß Gewalt sich verselbständigt. Nur, was hat das mit faschistisch zu tun?

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      • Maddin schreibt:

        Was in Clausnitz passierte, ist hässlich. Aber die geforderte Differenzierung findet eben nicht in den Massenmedien, aber auch vielen Blogs statt. Beispielsweise wurden und werden in ihrer Mehrzahl Asylheime von den eigenen Bewohnern oder durch unsachgemäße Handhabung von E- Geräten angezündet und eben nicht durch Rechtsradikale. Aber solche Informationen findest du nur versteckt in Blogs wie z.B. dem gelben Forum, beim BAMF ist das alles verklausuliert. Nun frage dich, warum?

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