Pläne schmieden alles andere als ratsam


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Viel größer die Bedeutung unseres Handelns

Schade, daß es keine Statistiken darüber gibt, wie viele Pläne die Menschen erdacht, ausgeklügelt haben, in der Wirklichkeit nicht funktionieren oder nur teilweise umsetzbar waren. Apropos umsetzen, planen ist aus dem lateinischen planta, Pflanze, beinhaltet weitestgehend das Umsetzen schon in diesem Wort. Einige Pflanzen werden nach der Aussaat umgesetzt, damit sie besser zur Reife gelangen, größer, kräftiger werden, oder sie werden zum Verkauf in kleine, enge Töpfe gezwängt, um sie einzeln zu guten Preisen verkaufen zu können. Viele Pläne ähneln dem Pflanzenwuchs.

Wir schmieden Pläne für einen Hausbau, eine Hochzeit, generell Feiern, den exakten Termin zum Kinderkriegen nach der Karriere, den seit langem verdienten Urlaub, gestalten schon im Vorfeld oft den Lebensweg unserer Nachkommen. Aber trotz intensiver Planung, Zeichnungen, Tabellen, Wahrscheinlichkeiten gehen viele Samen der Pläne nicht auf, beziehungsweise verenden, vertrocknen, werden von Ungeziefer angefressen, kurzum kaum ein Plan kann von der Grundidee (Samen) bis zur Realisation (Reife) genauso verwirklicht werden wie angedacht. Ärgern wir uns darüber?

Natürlich ist es eine Enttäuschung, wenn unsere Mühe, die wir in die Vollendung eines Planes gesteckt haben, nicht die Früchte trägt, die wir erwarteten. Deshalb, wer kann sich davon freisprechen, sind wir schnell bei der Hand, Schuldige auszumachen, die dafür die Verantwortung tragen, daß der Plan nicht die Ergebnisse zeigt, die man erhofft, gewollt hat. Bei den Pflanzen wie bei einigen Urlaubsplanungen ist es oftmals das unkalkulierbare Wetter, das unseren schönen Plan zunichte gemacht hat. Beim Hausbau, der Hochzeit spielt das Wetter auch oft den Schuldigen, aber hier sind diejenigen, die die Organisation übernommen haben oder das Material (Beton, Holz), die Zutaten (fürs Menü, Torte, Wein) geliefert haben, diejenigen, die für das Mißlingen die Haftung übernehmen sollen, müssen.

Warum nun unsere Altvorderen in ihrem Wortgebrauch Schuld althochdeutsch sculan (gotisch = schuldig sein; sollen, müssen, gleich gesetzt haben mit skulan) gleichgesetzt haben mit „sollen, müssen“, ist auf den ersten Blick nicht klar erkennbar. Aber mit einem zweiten Blinzeln kann man durchaus den Grund dafür erkennen. Der Plan, der von uns mit Gewissenhaftigkeit ausgetüftelt, die Pflanze, die von uns mit Sorgfalt gesetzt wurde, immer wieder durch unterschiedliche Mühen beobachtet, vielleicht leicht angepaßt an kleinere Unbill bis zur Vollendung, muß, soll gelingen, weil wir ansonsten all unsere Arbeit verschwendet haben.

Keiner oder nur ganz Wenige werden sich damit zufrieden geben, wenn ihr Plan, Pflanze, eventuell nicht so ausfällt wie gewünscht, die meisten verhalten sich eher wie quengelnde, jähzornige Kinder, die ihren Willen nicht durchsetzen konnten. Erwachsene suchen lieber Schuldige, „Bauernopfer“, die für das Mißlingen büßen sollen, oder sie mähen alles nieder, vergleichbar mit dem Erdboden gleichmachen durch eine Planierraupe. Und das wiederum hat mit persönlichem Versagen zu tun, jedenfalls für diejenigen, die Schuldige ausmachen müssen, und ihr „Gesicht verlieren“ wollen die wenigsten, oder vielmehr eigene Schuldzuweisung fällt schwer.

Also lieber keine Pläne mehr machen, dem Schicksal alles überlassen? Nicht mehr anpflanzen, alles der Natur anvertrauen? Nein, die Essenz liegt in der Wertigkeit des stetigen zu erneuernden Planes, pflanzens. Nicht die Ergebnisse sind schlußendlich das Wichtigste, sondern das Tun und Handeln, dabei ist der Urheber zweitrangig oder kurz gesagt: Der Weg ist das Ziel.

Doris Mock-Kamm

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