Vom Leben im Wolkenkuckucksheim


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Oder warum die Unterdrückung Andersdenkender so simpel funktioniert

Jetzt träumen wieder viele vom Wolkenkuckucksheim. Wolkenkuckucksheim ein Synonym für Wunschtraum, Seifenblase. Jeder erliegt zu gewissen Zeiten dem schönen Traum eines Schlaraffenlandes, in dem nicht nur das Essen immer reichlich vorhanden ist, sondern auch die Menschlichkeit zwischen den Menschen den reinen Idealen entspricht. Aber wenn die Ideen der idealen Familie, Vater, Mutter, Kind, die sorgenfrei in ihrem schmucken Eigenheim leben, aufs Beste mit den Nachbarn auskommen, keinerlei Auseinandersetzungspunkte innerhalb der Familienmitglieder sich je abzeichnen werden, dann spricht man zu Recht vom Wolkenkuckucksheim.

Zu dieser Vorstellungswelt gesellt sich gerne eine Gesamtzufriedenheit, die gewährleistet durch Ehre, Stolz, Moral, Respekt, Verbundenheit, Recht, Anstand, Disziplin und Heimattreue ein Weltbild erschaffen, das nur durch Unterdrückung von Andersdenkenden und Andersfühlenden funktioniert. Dies wird aber bewußt in Kauf genommen, denn Ordnung muß sein: Wo kämen wir sonst hin? Die Folge ist eine Hörigkeit gegenüber staatlichen Gesetzen, gewieften Organisationen, religiösen Fanatikern oder anderen Gemeinschaften, die alles scheinbar negativ beeinflußende, den friedlichen Ablauf störende, zugunsten ihrer Anhänger aus dem Weg räumen. Dabei zertreten sie in Wirklichkeit die von ihnen in den Vordergrund gestellten Werte.

Aristophanes Theaterstück „Die Vögel“, aufgeführt im Jahr 414 v.Chr., kann ohne Bedenken mit den jetzigen Verhaltensmustern einiger Menschen verglichen werden, die ein Wolkenkuckucksheim als Lösung anstehender Probleme proklamieren. In der Philosophie und Literatur finden sich einige Beispiele, die diese Komödie als Adaption aufgegriffen haben. Arthur Schopenhauer in „Die Welt als Wille und Vorstellung“, Friedrich Nietzsche in seiner Schrift „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“, Walter Braunfels in der Oper „Die Vögel“ und in Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ haben in ihren Werken Bezug auf Aristophanes Theaterstück genommen.

Das Interesse für diese widersinnige Werteweltvorstellung ist deshalb so groß, weil man damit seine eigene Verantwortung für das Wohl aller an der Haustüre abgeben kann.

Aristophanes und Berthold Brecht

Auf den Nenner gebracht und Berthold Brecht zitiert: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selbst!“

Aristophanes geht es in seiner Komödie „Die Vögel“ also im Wesentlichen um die negative Beeinflussung stupider, verbohrter und/oder unbedarfter Massen.

Und das zu ihrem eigenen Nachteil – was durchaus auch an die Jahre dreiunddreißig bis fünfundvierzig des letzten Jahrhunderts denken lässt. Autor Manfred Zorn

Es ist nichts verwerfliches, sich ab und zu eine Utopie von immerwährenden „Friede, Freude, Eierkuchen“ zu gönnen, aber wer dies wirklich leben will, muß sich dessen bewußt sein, daß wir außerhalb des Garten Eden leben, nicht hinter seinen geschützten Toren verweilen und somit an der Gestaltung und Problemlösung täglicher Aufgaben ständig mitwirken müssen mit vermittelnden, dem Frieden dienlichen Handeln.

Doris Mock-Kamm

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