Trivialliteratur zwischen Schund und Anspruch


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Folgen ihr etwa phrasendreschende Internetplattformen?

Niemand will sie gelesen haben, die als Trivialliteratur benannten Romane. Doch sind es nicht gerade jene, die am meisten verkauft werden? Demzufolge doch über einen Ladentisch in einer Tasche nach Hause transportiert und dort oder an welchen geeigneten Plätzen auch immer Zugang zu Lesern gefunden haben? Wer weiß das schon so genau, immerhin haben sie mit der sogenannten „Regenbogenpresse“ den Illustrierten und Zeitungen gemein, selten gekauft worden zu sein und trotzdem eine riesige Auflagenzahl ihr eigen nennen können.

Trivial, dem lateinischen entnommen trivialis, jedermann zugänglich, allgemein bekannt, ist an und für sich doch keine negative Aussage. Aber genau hier kann man sich auf Messers Schneide begeben. Denn wären dann nicht auch unsere berühmten Literaten, Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Hermann Hesse, unsere berühmten Musiker, Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, um nur eine kleine Auswahl zu benennen, trivial, abgeschmackt, inhaltslos, gewöhnlich, weil sie jedermann bekannt sind?

Trivium, Kreuzung dreier Wege und im mittelalterlichen Universitätswesen der Begriff für die drei unteren Fächer, Grammatik, Rhetorik, Dialektik. Liegt hier die Lösung um den Unterschied zwischen Trivial-, Schundliteratur und Literatur? Das Trivium als Voraussetzung zu den als die sieben Künste angestrebte Bildung zur Vorbereitung auf das Studium der Theologie, Jurisprudenz und Medizin.

Nach Vollzug des Trivium, das das Wissen, welches im Kreuzpunkt auf der Straße zustande kommt, vermittelt, folgte das Quadrivium, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie. Und sicher wurden die Neuankömmlinge, die erst einmal das Trivium durchlaufen müssen, von den Studenten des Quadriviums höhnisch belächelt, so wie dies heute noch zwischen den Erstklässlern und den Zweit- und Drittklässlern oder zwischen den Sextanern und den Quintanern, Quartanern häufig noch geschieht.

Eine etwas simple Erklärung, aber doch durchaus schlüssig. Natürlich ist diese Schlußfolgerung nicht befriedigend und nicht im Sinne einer ernsthaften Analyse zu diesem Thema ausreichend. Wer sich daher näher mit diesem Thema befassen möchte, findet als Einstieg eine relativ gute Zusammenfassung auf Wikipedia unter Trivialliteratur.

Warum dann dieser Text? Weil mit Allgemeinplätzen, undifferenzierter Berichterstattung, unterschwelligen Parolen, haßschürenden Phrasen etliche, wenn nicht gar viele als alternative Medien auftretende Internetplattformen damit hausieren gehen würden. Trivial eben!

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu Trivialliteratur zwischen Schund und Anspruch

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Ich schätze Trivialliteratut eher als leichte Unterhaltung ein, nicht als Schund, den es sicher auch gibt. Und Goethe liest sich nicht so leicht, wie viele vermuten würden, jedenfalls im Originaltext. Für damals war seine Beschreibung einer Reise durch Italien wohl aufregend, aber mich haben Beschreibungen über in Felsen gehauene Kirchen und dergleichen mehr eher gelangweilt 😉

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    • quittenbluete schreibt:

      Lieber Arno von Rosen, dem Kommentar kann ich zustimmen. Der Text sollte nicht die „vergötternde Literatur“ hervorheben, deshalb der Hinweis auf „Messers Schneide“. Denn einen eindeutigen Trennungspunkt zwischen echter Literatur und Trivialliteratur zu benennen, wäre sicherlich vermessen. Es sollte vielmehr die Diskrepanz zwischen eingeforderter konkreter Berichterstattung und den zuweilen diffusen, aber Menschenmassen erreichenden, stark mit Phrasen gespickten Internetportalen aufzeigen.

      Gefällt 1 Person

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