Geschwafel bis ins Unerträgliche


flickr.com/ JudithTB/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Im günstigen Fall tanzen Gedanken frohen Mutes

Manchmal kann so ein Geschwafel richtiggehend guttun. Auch in den Momenten, in denen man noch die Fähigkeit besitzt, kommunikativ an einem Gespräch oder Gesprächsinhalt teilzunehmen. Es sind jene günstigen Gelegenheiten, die es ermöglichen, trotz anscheinend wichtiger Themen, vehement betont und bis ins kleinste Detail angesprochen, man ungehindert bei seinem eigenen Gedankenfluß sozusagen die Leine losmachen kann und in ferne Gefilde enteilt.

Es soll Menschen geben, die darin geübt sind, sich gedanklich, wann immer gewünscht, zu entfernen. Allen anderen passiert das so nebenbei. Die schöngeistigen Exkurse während der Lehrer sich bemüht, die Bedeutung der Kontinentalplatten zu erklären. Das anfangs widerstrebende Gefühl, Wortbegriffe und Sätze, schon oft gehört, doch eindringen zu lassen und zu verstehen, wenn Eltern geflissentlich Mahnungen, Gebote aussprechen. Wenn der Radiomoderator eine erquickende Episode in Bezug auf einen Song so in die Länge zieht, man schlußendlich nicht mal mehr merkt, daß aus dem Radio bereits die Wettervorhersage nach den Nachrichten durchgegeben wird.

Das Geschwafel kann in schriftlicher Form aufgenommen werden, indem die Texte nur so triefen von Selbstbeweihräucherung, Mißverstandenheit, Wahrheitsbeglaubigungen, Aussagen, die kein Wässerchen trüben können. Wenn das Geschriebene vergeblich sich bemüht, kreativen Geistern das Wasser zu reichen.

Dann löst das Geschwafel Gedankenblitze bis in die Höhen der geistigen Vollkommenheit und fertige Gedichtverse aus. Oder versetzt die losgelösten Gedanken in einen zarten Staub, der durch alle Sphären Schwerelosigkeit vermittelt.

Geschwafel kann also in schwofen (tanzen) ausarten, wenn die Gedanken entfliehen und spielerisch das Weite suchen. Ab und zu genießt man die freie Bewegung nicht nur im Schwofen, sondern durchs Geschwafel der Mitmenschen. Beim Schwofen im körperlichen Ausdruck und durch das Geschwafel im geistigen.

Doris Mock-Kamm

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