Saudi-Arabien: Todesstrafe des Dichters Ashraf Fayadh umgewandelt


flickr.com/ Fotogaleria oficial/ (CC BY-NC-SA 2.0)

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Erfolgsmeldung oder politisches Kalkül?

Kein Märchen aus 1000 und einer Nacht, wenn das Königreich Saudi-Arabien die Todesstrafe des Dichters Ashraf Fayadh umwandelt, um ihm anstatt für weitere acht Jahre im Gefängnis zu lassen und obendrein die 800 verhängten Peitschenhiebe zu vollstrecken. Ein Sieg der Vernunft, des Humanismus, eine Erfolgsmeldung oder doch eher politisches Kalkül?

Immerhin erfolgte eine Welle der Empörung zum verhängten Todesurteil im Dezember des letzten Jahres, an die 70 Autoren und Menschenrechtsverbände protestierten dagegen. Diese weltweite Solidarität scheint nunmehr die Herrscher Saudi-Arabiens beflügelt zu haben, wenigstens dieses Todesurteil nicht vollstrecken zu lassen.

Abwendung vom Glauben – ein Verbrechen wegen Verhöhnung des Propheten

Die Saudis fördern insofern geradezu eine Islamophobie, geben dem IS-Terror recht, weil Abwendung vom Glauben der Gerichtsbarkeit schon ausreicht, um die Todesstrafe zu verhängen. Dabei wurde dem in Saudi-Arabien geborenen palästinensischem Dichter, der genau deshalb keinerlei Bürgerrechte erhalten hatte, staatenlos im Lande lebte, Islamkritik vorgeworfen, wobei der Nachweis nicht erbracht werden konnte. Nach erster Verhaftung im August 2013 folgte die zweite im Januar 2014, wonach er vier Monate später zu vier Jahren Gefängnis und 800 Peitschenhieben verurteilt wurde. Fayadh reichte Revision ein, die dann im November zu diesem Todesurteil führte.

Eine angeblich, nicht mal nachgewiesene Verhöhnung des Propheten Mohammed kann im Königreich Saudi-Arabien zur Todesstrafe führen, gilt als abschreckende Maßnahme. Die Herrscher erreichen viel eher das Gegenteil, widersprechen gar dem Koran selbst, in dem ebenso das kosmische Gesetz „Du sollst nicht töten“ enthalten ist.

Auslegung des Islam – Weltpolitik im Diskurs zum Humanismus

Der Prozeß der unterschiedlichen Auslegungen im Christentum hat bereits einen viel längeren Werdegang als dies dem Islam bisher vergönnt wurde, allein schon deshalb, weil das Christentum viel mehr Zeit hatte. Nicht mal fünfzehnhundert Jahre später seit der Gründung des Islam durch den Propheten Mohammed gibt es Einigkeit in der zweitgrößten Weltreligion, verdeutlichen die unterschiedlichen Strömungen dessen Auslegung, im Interview macht dies auch Yavuz Özuguz deutlich, um zugleich die Verfehlungen des US-Westens berechtigt anzumahnen.

Vergessen wir nicht, welche Rolle gerade Europa und die USA spielen mit Blick gen Nahen und Mittleren Osten, was keineswegs zufällig geschieht. Umso befremdlicher die Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien, der kritische Zeitzeuge sich schon fragt, wie man dies mit den Ansprüchen zum Humanismus rechtfertigen kann. Waffen sorgen letztlich nicht für Frieden, sie werden irgendwann doch eingesetzt. Die Aufhebung der Iran-Sanktionen darf man in diesem Zusammenhang folglich skeptisch beäugen.

Was hat dies alles mit dem Dichter Ashraf Fayadh zu tun, den nunmehr die ursprüngliche doppelte Haftstrafe erwartet und gar 800 Peitschenhiebe, die im tragischsten Fall auch zum Tode führen können? Es zeigt auf, in welch barbarischer Welt wir leben, bedenken wir, die USA verhängen ebenso Todesstrafen.

Lotar Martin Kamm

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