Empathie zwischen Tierliebe und Liebe auf den ersten Blick


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Der Leidenschaft auf der Spur

Zum Erstaunen vieler kursieren immer wieder Photos, Videos durchs Netz, auf denen Menschen mit „wilden“ Tieren kuscheln. Wäre man nicht von vornherein darauf vorbereitet, vor allen Dingen bei den Videos, daß hier tatsächlich nichts passiert, könnten einem so manches Mal die Haare zu Berge stehen. Sind diese Menschen verrückt, sensationsgeil, sind die Tiere bis zum Umfallen abgefüttert und deshalb träge, stehen sie unter Drogen?

Aber hat man nicht auch schon zu früheren Zeiten von diesem Phänomen gewußt und es in Erzählungen und Geschichten weitergegeben? Die bekannteste Geschichte dürfte wohl über Romulus und Remus geschrieben worden sein. Marcos Pantoja lebte nach eigenen Aussagen, und bestätigt durch Nachforschungen, die absolut glaubhaft erscheinen, jahrelang mit Wölfen zusammen.

Wer erinnert sich noch an die Affendame Binti, die 1996 einen dreijährigen Jungen, der ins Gehege der Gorillas geplumpst war, zu ihm eilte und ihn zum Eingangstor brachte, damit er dort von den Zoobediensteten in Empfang genommen werden konnte? Sie hat offensichtlich Empathie für den Jungen gezeigt. Was bedeutet Empathie, das Wort, das auch in Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle so oft zitiert wird?

Empathie ist aus dem Spätgriechischen entlehnt, empátheia, Leidenschaft. Wir benutzen es für Feinfühligkeit, Zartgefühl, Einfühlungsvermögen, Verständnis. Das Wort hat bis zum jetzigen Gebrauch als oben genannte Begriffe verschiedene Auslegungen durchlaufen. Aber dies ist eine andere Baustelle und kann von jedem selbst recherchiert werden. Bleiben wir bei den Ausdrücken, Feinfühligkeit, Zartgefühl, Einfühlungsvermögen, Verständnis, so können wir bescheinigen, daß zur Leidenschaft diese Umschreibungsbegriffe passen. Und so komisch es klingen mag, selbst für die Leidenschaft der Sammler irgendwelcher Gegenstände setzt ein Zartgefühl für eben diese Dinge voraus.

Setzen wir Leidenschaft in Zusammenhang mit Liebe, dann verstehen wir vielleicht noch mehr, warum es möglich ist, daß die Empathie zwischen Mensch, Tier gar nicht so außergewöhnlich ist. Denn Hand aufs Herz, kann man wirklich immer erklären, warum man jemanden oder etwas liebt? Viele beschreiben das erste Gefühl von Liebe wie Schmetterlinge im Bauch, andere hingegen sagen, daß ihre Liebe ein wachsendes Gefühl war. Haben wir es nicht schon selbst erlebt oder erzählt bekommen, daß ein Kind auf einen gefährlich wirkenden Hund oder eine als kratzbürstig beschriebene Katze zuging, und nichts passierte, was annähernd einer Gefahr für das Kind darstellte? Vielleicht ist dies vergleichbar mit Liebe auf den ersten Blick.

Empathie also ein Bauchgefühl? Das wäre schlichtweg zu einfach, zumal das Bauchgefühl sich oft auch als Irrtum herausstellt, sind die Schmetterlinge erst mal weggeflogen. Vielleicht kann man Empathie kurzgefaßt auf folgenden Nenner bringen: Wer sich für die Gefühle anderer öffnet, wird mit offenen Gefühlen empfangen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Empathie zwischen Tierliebe und Liebe auf den ersten Blick

  1. EuroTanic schreibt:

    Die Art und Weise wie (angebliche) Tierliebhaber ihre menschlichen Gefühle mit denen von Tieren gleichsetzen wollen ist für mich die subtilere Art der Tierquälerei, Wir wissen nicht was in Tieren vorgeht, was und wie ihre Gefühle sind. Und wir sollten das verdammt nochmal endlich respektieren und sie in Ruhe lassen, so wie sie sind. Also nicht domestizieren, verhauschweinen, verniedlichen, oder unter Wölfen leben. usw.. Wölfe wollen naturgemäss mit Wölfen leben, jagen, kopulieren und sterben und nicht mit gefühlsduseligen, gelangweilten Menschen.

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