Wenn die Stimme des Patriotismus das Wort erhält


flickr.com/ SeRGioSVoX/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Erneut Zulauf für rechte Kräfte im Deckmantel falscher Versprechungen

Patriotismus heute wieder als Schlagwort für Vaterlandsliebe in vieler Munde und doch oft in seiner Auslegung den falschen Werten gleichgesetzt. Der Ursprung des Wortes entstammt dem altgriechischen patrióte und war die Bezeichnung für Nichtgriechen, die aber trotzdem eine gemeinsame Abstammung (patér, Vater) hatten.

Während der Reformationskriege benannten sich die französischen Hugenotten als „bon patriote“. Die eigentliche Verbreitung des Begriffes erfolgte in der Zeit des Achtzigjährigen Krieges, Verbündete und Anhänger von Wilhelm von Oranien bezeichneten sich als „goete patriotten“. Die weiteren geschichtlichen Wege, die das Wort Patriotismus bis zum heutigen Tag durchläuft mit unterschiedlichen Charakteristiken, sind in Lexika, Büchern, oder zeitgemäßer im Internet zu finden.

Bleiben wir beim Ursprung des Begriffes. Jedem sollte inzwischen bekannt sein, daß der Mensch, biologisch gesehen, aus zwei sich vereinigenden Personen, Mann und Frau, gezeugt wird. Faktisch gibt es die reine Vaterlandsliebe also nicht, denn es ist begrifflich falsch. Da aber über lange Zeitspannen bis ins Heute das sogenannte Patriarchat die weitestgehenden Regelungen zum Gemeinwesen ausüben, ist der Aspekt der Mutter untergeordnet oder unbedeutend.

Wenn wir ein Zuhause, Heimat, Gebiet, Land lieben, dann lieben wir es, weil dort unsere „Wiege stand“. Es ist, vorausgesetzt die Verhältnisse in der Familie sind nicht zerrissen, der Ort, an den man sich sehnt, weil Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde dort verweilen. Ergo ist es nicht nur das Vaterland, sondern auch das Mutterland, Elternland, Familienland. Dieses Heim prägt uns nicht nur genetisch nach dem Vater, vielmehr ebenso nach der Mutter, und läßt es die Familienstruktur zu, werden wir in allen Facetten des menschlichen, kulturellen, wissenschaftlichen, religiösen Daseins geprägt.

Patriotismus

[franz.: Vaterlandsliebe] P. bezeichnet eine besondere Wertschätzung der Traditionen, der kulturellen und historischen Werte und Leistungen des eigenen Volkes. In einem negativen Sinne kann P. zu nationaler Arroganz, Chauvinismus und übersteigertem Nationalismus führen (Hurra-P.). Im positiven, zeitgemäßen Sinne kann P. als Bekenntnis zu den demokratischen Grundlagen der Gesellschaft und zur Verteidigung der Grund- und Menschenrechte (Verfassungs-P.) verstanden werden. (Aus bpb, Bundeszentrale für politische Bildung)

Patriotismus bedeutet, mit seinem Land in guten wie in schlechten Tagen Krisen zu bewältigen, die unterschiedlichen Meinungen zu respektieren und gemeinsam vor Ort durch die Reflektionen neue Wege zu beschreiten. Er bedeutet nicht Ausgrenzung Andersdenkender. Es ist falsch, mit der Stimme des Patriotismus zu sprechen. Vielmehr gilt es, den Stimmen der Menschen, die neue, vielleicht utopische Visionen für eine werterfüllte Gesellschaft formulieren, zuzuhören.

Populistische Aussagen über rechts, links, Mitte sind Fallstricke von Bauernfängern, durch die wir Gefahr laufen, in nationalstaatliche Kleinkrämerei zu versinken, sie hemmen offene Diskussionen und einen gemeinschaftlichen Austausch. Oder sind wir wirklich in einer Zeit angekommen, in der Menschen, die rein äußerlich nicht dem „Volk“ zugeordnet werden können, Gefahr laufen, als andere diffamiert und angepöbelt zu werden?

Vergessen wir nicht, Patrioten sind dem Ursprung nach nicht das Volk. Sie waren die Fremden, die Eingeheirateten.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Wenn die Stimme des Patriotismus das Wort erhält

  1. Hartmut Lau schreibt:

    Wahrheit macht frei

    Enkel bist Du!
    Sieger und Sorgen gestern Gewesener
    dankst Du Dein Dasein.
    Haelst als Ahnherr Segen und Fluch,
    fernster Geschlechter huetend in Haenden.

    aus der Edda ( die „Bibel“ der Germanen)

    Aus den vor etwa 8000 – 12000 Jahren, (vor Cristus) indischen Veden (Vyasa = Maja) ist zu lesen:

    „Jeder religioese Glaube verdunkelt die Denkkraft des Menschen, indem er ihn von dem Wesentlichen abzulenken versucht, die Verehrung der Gottheit, unter deren Bild man die Achtung vor den Naturgesetzen verborgen hat, vertreibt die Wahrheit zugunsten des niedrigsten Aberglaubens.“

    Als „Richtschnur“ stelle ich hier zwei Texte von zwei Autoren ein, die als Basis des persoenlichen T U N anregen koennen.
    Autor: Friedrich von Schiller 1759 – 1805

    Wenn kein Mensch mehr die Wahrheit suchen und verbreiten wird, dann verkommt alles Bestehende auf der Erde, denn nur in der Wahrheit sind Gerechtigkeit, Frieden und Leben.

    Vor langer Zeigt fragte der neue chinesische Kaiser den waisen Konfuzius, was er tun solle, um sein Reich gut zu regieren?
    Konfuzius antwortete:

    Ich wuerde eine ehrenwerte Sprache benutzen,
    ich wuerde die Dinge bei Ihrem richtigen Namen nennen,
    wenn wir die Dinge nicht bei ihrem konkreten Namen nennen,
    dann bedeuten Worte nichts mehr.
    Wenn Woerter nicht die Realitaet widerspiegeln,
    dann ist das was wir sagen, nicht das was gemeint ist,
    wenn aber das, was wir sagen, nicht das ist,
    was gemeint ist, koennen wir nicht klar denken,
    und nichts kann erreicht werden.

    Nur wenn wir die Dinge bei ihren richtigen Namen nennen ist es moeglich, wahrhaftig und ehrlich ueber die Dinge zu sprechen.

    Die emotionalen Empfindlichkeiten der Menschen, durchlaufen in jedem waehrend seiner Lebenszeit, in seinen Lebensraeumen, in seiner eingeborenen Kultur, und auch durch praktische Erfahrungen, permanente Veraenderungen.
    Diese koennen sowohl zerstoerend als auch konstruktiv sein, es bleibt in der persoenlichen Entscheidung.

    Nach meiner Auffasssung ist die Kenntnisse aus den Naturgesetzen ein Fundament, die ein allgemeine Akzeptanz bekommen hat. Die “harten” Naturwissenschaften, deren Erkenntnisse von den Ingenieuren angewendet, haben uns all die modernen Errungenshaften hervor gebracht. Egal welcher Herkunft der Ingeineur ist, ob Eskimo, Chinese, Afrikaner, Europaeer, egal ob weisser, roter, schwarzer oder gelber Hautfarbe, egal welcher Religion, diese Fachleute sprechen in der Technik die gleiche Sprache. Das Meter, die Masse, die Zeit, das Mol, hier ist die gemeinsame Absprache, das Fundament.
    Weiter wird mit den Begriffen der Sprache extrem Schindluder betrieben. Hier sind wir alle gefordert, klar und unmissverstaendlich uns zu artikulieren.

    Gefällt 1 Person

  2. Michael Hagenbeck schreibt:

    Hmm, ist schon mal jemandem aufgefallen, dass Patriotismus in jedem Land, besonders den USA, supdolle ist, jedoch in Deutschland sofort mit Nationalismus gleichgesetzt wird?
    Und kommt mir jetzt nicht mit den berühmten zwölf Jahren von 1933-45. Die deutsche Geschichte besteht nicht nur aus dieser Zeit!

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