Sirenengeheul oder -gesang – was beflügelte diese Mythenwesen?


flickr.com/ sofi01/ (CC BY-NC 2.0)

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Charles Cagniard de la Tour etwa ein Frauenrechtler?

Falls Sie es noch nicht wußten, aber ahnten, die akustische Sirene hat tatsächlich ihren Namen von den mythologischen Sirenen. Charles Cagniard de la Tour hat 1819 eine akustische Warnmeldung erfunden und ihr den Namen Sirene gegeben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Aber bleiben wir erst noch bei den Sirenen, die Sie, wenn Sie in einem städtischen Gebiet wohnen, täglich oder zumindest öfters hören als Menschen, die ihr zuhause in ländlichen Gebieten haben. Denken Sie an die Sirenen der Polizei-, Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge.

Bei den Sirenen allgemein gibt es drei Unterscheidungen, mechanische, pneumatische und elektronische Sirenen. Alle Sirenen dienen dem Zweck, durch ihre Töne in einem größeren Gebiet auf eine Gefahrenlage aufmerksam zu machen. Allerdings wurden und werden sie auch in Großbetrieben eingesetzt, um Arbeitsbeginn, Pause, Arbeitsende zu markieren. Auch zur Diebstahlsicherung an Häusern und in Autos sind sie zu finden. Am markantesten bleiben wohl die Töne, die durch die Feuersirene ausgelöst werden. Wer wie oben erwähnt im ländlichen Raum lebt, weiß, daß in gewißen Abständen in der Regel an Samstagen 12 Uhr ein Sirenenton zur Überprüfung der Anlage über das Dorf schallt.

Die genauen Hintergründe oder vielleicht doch Hintergedanken, die Charles Cagniard de la Tour veranlaßt haben mag, seine lärmproduzierende Maschine nach den Sirenen aus der griechischen Mythologie zu benennen, werden wohl sein Geheimnis bleiben.

Die Sirenen der griechischen Mythologie sind Mischwesen, anfangs halb Frau und Vogel, später dargestellt als halb Frau und Fisch. So ganz einig über ihr Aussehen und ihre Herkunft ist sich keiner der griechischen Literaten. Die einzige Gemeinsamkeit besteht durch die Beschreibungen über ihr Handeln, nämlich durch betörenden Gesang, Menschen, vornehmlich Männer, anzulocken. Sie waren schließlich mehr oder weniger diejenigen, die neue Länder endeckten, zu Expeditionen aufbrachen, auf die Meere fuhren zum Fischen. Zudem wurde den Sirenen nachgesagt, daß sie über alles Wissen der Erde verfügten und jedem, der ihren Gesängen erlag, wurde dieses Wissen offenbart. Kein Mann hat das je überlebt.

Wenn nun die Sirenen durch ihren liebreizenden Gesang männermordende Wesen waren, warum wurden gerade ihnen durch die Geräte (Sirenen), die durch ihren durchdringenden Heulton, nach Hilfe zur Rettung von Menschen in Gefahr rufen, dieser Name gegeben? Ist das eine späte Genugtuung? Ist das vielleicht die Erkenntnis, daß Frauen die Kraft haben, unter Zuhilfenahme ihrer Stimmen Gefahren abzuwenden oder zumindest zu schmälern? Da Sirenen über das ganze Wissen verfügen, könnte das ohne weiteres so sein. Lieber Charles Cagniard de la Tour, wenn das Ihr Hintergedanke war, dann ziehe ich meinen Hut vor Ihnen. Besser konnten Sie den Frauen nicht den Rücken stärken.

Stellen Sie sich vor, die Wortschöpfung für die Sirene wäre einer Frau entsprungen und dieser Text von einem Mann, was für eine interessante Diskussion könnte daraus entstehen!

Ihre

Doris Mock-Kamm

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