In Verbindung bleiben – please hold the line


flickr.com/ Norbert Reimer/ (CC BY-SA 2.0)

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Zwischen Einsamkeit und gesellschaftlichen Kontakten

„Please hold the line!“ Immer wieder übersetzt mit: Bitte warten! oder Bleiben Sie bitte am Apparat! Aber es heißt wörtlich: Halten Sie bitte die Linie!

So enervierend dieser Satz uns des öfteren zur Weißglut bringen kann, wenn wir in den berühmten Warteschleifen hängen, so interessant ist er auch, wenn wir seine Aussage näher betrachten. Die Linie halten, in Verbindung bleiben, verdeutlicht nicht nur in unserer inzwischen auf medialer Verbundenheit den Zustand eines Miteinanders, und sei es mittels einer Linie, eines Bandes, einer Schnur. Manche Verbindungen, die wir halten, sind aus dünnem Faden, der jederzeit reißen kann. Manche allerdings sind so festgezurrt wie ein gordischer Knoten, diese Verbindung kann nur mit einem Schwert zerschlagen werden. Es gibt auch Verbindungen, von denen wir davon ausgingen, sie seien nicht mehr existent, hätten sich aufgelöst über die Jahre, weil kein Kontakt mehr zustande kam, warum auch immer. Doch diese Kontakte können sich wiederherstellen, und man ist irritiert, wenn sie die gleiche Verbundenheit aufleben lassen, die man verloren glaubte.

In seinem Buch „Das Tier Mensch“ erläutert Desmond Morris die These, daß jeder Mensch zu ungefähr siebzig bis hundertzwanzig anderen Menschen Beziehungen hat, die in etwa dem Bereich des Bekannten zuzuordnen sind. Wenn dem so ist, entspräche das der Anzahl Menschen, die in einer größeren Gemeinschaft leben. Wer sich die Mühe macht, seine „Bekannten“ zu zählen, mit denen er lose Kontakt pflegt, mal mehr, mal weniger mit ihnen in Austausch tritt, wird feststellen, daß man selber ähnlich viele Bekannte aufzählen kann. Aber bleiben wir wieder bei der Verbindung. Was verbindet uns miteinander, warum streben wir eine Verbindung an, halten wir an Verbindungen fest?

Jeder Mensch ist durch die Nabelschnur mit der Mutter bis zur Geburt verbunden. Die weitere Verbundenheit ab diesem Zeitpunkt mit Mutter und Vater, Verwandten, Bekannten, Gesellschaft wird den Menschen für sein Leben als Erwachsener prägen. War diese Verbindung aufgebaut mit Liebe, Verständnis und Aufrichtigkeit, so wird der Erwachsene in der Regel seine Verbindungen ebenso wählen und gestalten. Wir halten auch Verbindungen fest, die wir aus rein materiellen Gründen, also zweckgebunden zum eigenen Vorteil nützen, hier seien nur kurz die sogenannten „Schlagenden Verbindungen“ und Geschäftsverbindungen genannt. Nicht alle, sogar eher die wenigsten Menschen, können ein Leben lang ohne Verbindung zu anderen leben. Die Menschen, die krankhaft sich an eine Verbindung klammern, haben das Gefühl, ohne diese Verbindung vom Leben abgeschnitten zu sein.

Please hold the line! Wenn wir nun zusätzlich wissen, daß „line“ ebenso mit Grenze übersetzt werden kann, wird dieser Satz zunehmend interessanter. Bitte halten Sie die Grenze! Wahren Sie in der Verbindung die Grenze des Anstandes, der Vernunft, des Respektes und denken Sie daran, es ist noch nicht so lange her, daß Briefe mit „in Verbundenheit“ unterschrieben wurden.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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