Angst darf keinesfalls unseren Lebenswandel diktieren


flickr.com/ CBS_Fan/ (CC BY-SA 2.0)

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Wenn Menschen sich verkriechen, haben Mächte gesiegt

Angst verbreitet sich, wenn der Grund dafür nicht erklärbar oder verheimlicht wird, in rasender Geschwindigkeit. Angst ist ansteckend wie eine Seuche, aber auch wie hemmungsloses Lachen. Warum? Angst ist in erster Linie eine Schutzfunktion, die uns davor bewahrt, einer gefährlichen Situation aus dem Weg zu gehen. Jeder Mensch besitzt eine Urangst, allerdings ist diese Urangst bei jedem Menschen in einem anderen Grad vorhanden.

Wer oder was der Auslöser sein kann, der uns die Nackenhaare hochstellen läßt, ist ebenso von Person zu Person unterschiedlich. Die Gemeinsamkeit besteht lediglich darin, daß Angst unkontrolliert Besitz ergreifen mag, und keiner ist dagegen gefeit. Wahrscheinlich gibt es zu diesem Phänomen Hunderte von Büchern. Psychologen, Therapeuten setzen sich täglich mit ihren Patienten unter anderem diesem Thema aus.

Wieso ist diese Empfindung, Warnung vor Gefahr, so stark, daß sie Menschen erstarren läßt, sie zu unüberlegten Handlungen treibt, sich ansteckend auf ganze Gruppen verteilt? In der Tierwelt gibt es die verschiedensten Auswirkungen der Angst, Käfer, die sich tot stellen, Eidechsen, die ihren Schwanz abwerfen, Tiere, die ihre Nacken- und Schwanzhaare durch aufplustern aufstellen, um damit größer zu wirken, Tinte versprühen, Gift spucken, ihre Farbe wechseln. Sogar Pflanzen reagieren auf ungewollte Bedingungen. Spätestens seit Cleve Backster durch seine Experimente die Empfindungen von Pflanzen nachgewiesen hat, sollte das Wissen um die Urängste in der Pflanzenwelt nicht mehr als Humbug abgetan werden.

Wenn wir der Angst zugestehen, daß sie uns Schutz bietet, sie als Warnsignal auftritt, warum fürchten wir uns dann noch vor dem kommenden Ereignis? Wir sind doch durch die Angst, die uns beschleicht, sich uns bemächtigt, wachsamer, vorsichtiger und umsichtiger, bevor wir den nächsten Schritt wagen. Es sei denn, die Angst ist nicht erklärbar, weil wir das Wissen nicht besitzen, den angstauslösenden Faktor zu kennen. Dann fühlen wir uns wie die Maus vor der Schlange.

Angst zu überbrücken, kann nicht damit gelöst werden, sich vor der Gefahr zu verstecken. Es ist nicht Sinn und Zweck der Angst, wenn wir in unseren Häusern bleiben und uns nicht trauen, den nächsten Schritt zu wagen. Angst und Gefahr lauern überall. Das Unbekannte ist überall. Oder ist es gewollt, daß wir uns nicht mehr auf die Straße trauen sollen? Gegebenenfalls nur noch mit schriftlichem Einverständnis, daß wir selbst haftbar sind, wenn wir uns gegen die Angst stellen? Aber das sind wir doch sowieso!

Ihre

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Angst darf keinesfalls unseren Lebenswandel diktieren

  1. WiKa schreibt:

    Hallo Doris … vielen Dank zunächst für die „Veranschaulichung“ des Themas. Im ersten Absatz ist noch ein Schnitzer, da sollte es besser heißen … „die uns dazu bewegt“ … statt … „die uns davor warnt“, weil sonst etwas mit dem Sinn der Aussage in Schieflage gerät.

    Wir sind denkende Wesen und können daher die Ängste weiter unterteilen. Die Urängste können wir in dem hier verwendeten Kontext getrost außer Acht lassen, ist so etwas wie eine Grundfunktion, die unser Überleben sichert und teilweise auch auf nachvollziehbaren Erfahrungen beruht. Wenn wir also über geschürte, „irrationale“ Ängste reden, dann ist doch ganz klar zu erkennen, das die instrumentalisiert werden. Über Ross und Reiter müssen wir hier auch nicht reden. Eine Stunde lang Nachrichten in der Glotze sehen und die Ängste sind wieder für den Tag komplettiert (ich bin seit 20 Jahren fernsehfrei und darf daher selber denken). Da hilft am Ende nur „Bewusstwerdung“, das allerdings ist eine Thematik, die sprengt hier den Rahmen und setzt zu ihrer Überwindung voraus, dass wir begreifen, erheblich mehr zu „sein“ als das was wir materiell im Spiegel sehen.

    Wer sich dieser Herausforderung nicht stellt, der wird womöglich noch sehr lange mit der „Angst“ zu kämpfen haben, diejenigen, die die Mechanismen schon etwas tiefer erfasst haben, begegnen der Angst mit ihrem Gegenteil. Das fängt so lapidar aber wirkungsvoll an, den Tag über einfach grundlos glücklich zu sein, statt grundlos unglücklich, zu dem sich offenbar eine unwissende Mehrheit in einem angstbesessenen Gemüt dieser Zeit hingezogen fühlt. Aufwachen und selber denken ist ein erster Schritt … und wie bereits gesagt, einfach grundlos glücklich zu sein. Wir können ein Seminar anschließen, um diesen Komplex abzuarbeiten. Vielen Dank für die Vertiefung und die gegebene Gelegenheit.

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  2. Peter Djordjevic schreibt:

    „Angst verbreitet sich, wenn der Grund dafür nicht erklärbar oder verheimlicht wird,
    Das ist nur bedingt richtig, Menschen haben Angst weil sie den Grund kennen. Weshalb werden die Kinder mit Retalin voll gestopft? Angst die Kinder könnten ihren Lebensunterhalt nicht verdienen. Ich hoffe es wir vom heute geredet und nicht von einer Zeit als wir noch in Höhlen wohnten.
    Die heutigen Auslöser von Angst sind nicht weil uns ein Löwe verfolgt, sondern nicht zu definierende Gründe. Bei der heutigen Informationsflut und der Angst der Redakteure Leser zu verlieren wird maßlos Übertrieben. Jedoch das normale macht auch Angst. Ein großes Problem mit der Angst ist das es heute keine Zeit zur Entspannung mehr gibt und Angst die Schutzfunktion nicht mehr hat.
    Es kann auch nicht darum gehen Angst zu überbrücken sondern die Ursache anzugehen. Die Angst ist nicht etwas außerhalb von uns sonder eine Schutzfunktion, nur es gibt so viele Angriffe das Angst nicht mehr abgebaut werden kann.

    Gruß Peter

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