Trampen: Lebensgefühl aus alten Zeiten heute eher gefährlich


flickr.com/ Cpt.Hook/ (CC BY-SA 2.0)

flickr.com/ Cpt.Hook/ (CC BY-SA 2.0)

Nur noch eine schöne Erinnerung?

Auf dem Weg in den Süden in den 60igern und den 70iger Jahren waren viele Autobahnauffahrten, Autobahnraststätten, Straßen bevölkert von Trampern. Auf dem Weg in den Norden, Osten und Westen ebenso. Überall, selbst in den kleinsten Dörfern oder an der Landstraße, standen die Langhaarigen, Hippies, den Daumen hochgehoben als Zeichen, einen Lift, eine Gelegenheit zu bekommen von einem motorisierten Mitmenschen mitgenommen zu werden, entweder zum Endziel oder eben nur ein kleines Stück weiter auf dem Weg.

Zuweilen traf man Gleichgesinnte, mit denen man dann gemeinsam auf die nächste Fahrt wartete. Es ist durchaus vorgekommen, sich in einer langen Reihe von Trampern ganz nach hinten anzustellen, denn auch hier galt: Wer zuerst hier stand, wird zuerst mitgenommen. Konnte ganz schön frustrierend sein, wenn die Sonne erbarmungslos vom Himmel ihre Strahlen schickte und sämtliche vorbeifahrenden Autos voll besetzt waren mit Kindern und Gepäck und kein Schattenplatz in der Nähe war, um sich wenigstens ein bißchen auszuruhen. Die gleiche Frustration erlebte man, wenn es nur so in Strömen regnete, die Schneeflocken kein Erbarmen kannten und die Tramper in einen Schneemann verwandelten.

Irgendwann wurde man erlöst und saß in einem Auto mit einem oder mehreren Unbekannten. Nicht jedes Gespräch verlief angenehm, nicht jede Fahrt war ein Erlebnis, es gab auch albtraumhafte Begegnungen. Wer mit seinem Hund unterwegs war, konnte meistens darauf zählen, schon der Tierliebe zufolge mitgenommen zu werden, selbst wenn man mitsamt Hund komplett durchnäßt war. Manchmal war es möglich, nicht nur einen Lift zum gewünschten Ort, sondern auch gleich eine Übernachtungsstätte zu bekommen, ohne irgendeine Bedingung. Je nachdem konnte es ohne weiteres passieren, daß der Fahrer extra Umwege fuhr oder sogar auf die Idee kam, jemanden bis zum Endziel zu fahren, auch wenn das bedeutete, so einfach mal 100 bis 300 km durch die Gegend zu fahren.

Alles nur nostalgisch verklärt! Trampen, ein gemeinsamer Weg mit Unbekannten, eine Gefahrensituation mit ungewissem Ausgang? Eine Studie des Kriminalamtes Wiesbaden 1989 kam zu dem Schluß, daß Trampen nicht explizit eine größere Gefahr darstellte, einer Gewalttat zum Opfer zu fallen. Da bleibt doch die Frage, waren die Menschen generell freundlicher, weniger gewaltbereit? Oder ist das alles Einbildung, daß heutzutage die Gefahren zugenommen haben? Sind wir nur ängstlicher geworden? Oder haben Sie in den letzten Tagen, Wochen, Monaten Tramper gesehen? Dann ist Trampen doch nostalgisch und die Erinnerung an die Massen, die auf eine Mitfahrgelegenheit warteten, nur eine Erinnerung an Zeiten, die längst hinter uns liegen.

Ihre

Doris Mock-Kamm

Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Trampen: Lebensgefühl aus alten Zeiten heute eher gefährlich

  1. Mona schreibt:

    In den 60ern / 70ern hatten sehr viele Menschen ja noch gar kein Auto. Da wurden die Autobahnen ja erst gebaut. Darum war auch das Trampen in. Das hat sich heute insofern erledigt, dass die Menschen entweder ÖV benutzen, oder eben ihr eigenes Auto besitzen.

    Liken

    • healer schreibt:

      Lache, Hitler hat schon Autobahnen gebaut….oder darf man das heute nicht mehr sagen?
      Ich empfinde die Zeit insgesamt als sehr viel entspannter, da war es kein Muss, sich gedanken darüber zu machen, was man sagt.
      Ich habe gern getrampt und nehme heute noch Leute mit, wenn sie da stehen.

      Liken

  2. bahnreisender schreibt:

    Ich nehme heute noch Leute mit und fahre auch heute noch einen Umweg, um sie ggf. an ihr Ziel zu bringen. Also alles wie früher 🙂

    Liken

  3. Colleen schreibt:

    Ich (24) widerspreche dir da sehr.
    Vielleicht gibt es nicht mehr so viele Tramper wie damals, aber es gibt sie. Es kommt auf fast jeder meiner Routen vor, dass ich noch andere Begeisterte-Mitfahrer finde.
    Ja, viele haben Angst und oft werde ich gefragt, ob ich denn keine hätte. Aber nein, deswegen mache ich es ja. Es wird immer über „das was man in den Nachrichten liest“ geredet, aber niemand redet darüber wie selbstlos und hilfsbereit viele der Menschen (immer noch!!) sind.
    Das reicht vom ehemaligen Verkehrsminister, bis hin zu Straßenmusikern.

    Ich finde es sehr schade, dass auf beiden Seiten so ein Angstgefühl entsteht. Denn viele meiner Freunde (vor allem weibliche) würden es aus Angst nicht (allein) machen und ich höre auch oft „ich nehme niemanden mit. Aus Prinzip“ oder „Ich kenn dich ja gar nicht!“

    Ich habe leider erst in den letzten Monaten angefangen, einige meiner Erfahrungen in einem Blog festzuhalten. Aber ich hoffe dadurch mehr Menschen wieder zu dieser ökologisch und ökonomisch sinnvollen Reiseart „anzufixen“ 🙂
    Ich liebe Trampen, man lernt so viel, hört viel, erlebt viel. Der Austausch ist super. Man landet plötzlich bei den Fahrern zu hause etc. Es ist ungaublich spannend.
    Natürlich, vorsicht und Bauchgefühl sind immer gut. Das streite ich gar nicht ab..

    Alles Liebe dir aber, und danke für den Beitrag 🙂

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.