Fasnet: Ende der milchig graublauen Tage


flickr.com/ poeloq/ (CC BY 2.0)

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Wenn durch Masken Dämonen vertrieben werden

Stimmung. Mies. Stimmung! Immer noch mies. Stimmung!! Wird nicht besser. Dieses milchig graublaue Licht, das nur annähernd das Zimmer erhellt, hinterläßt keine Schatten und schon gar keine Lichtpunkte. Alles ist milchig graublau. Selbst die Regentropfen, die ab und an unregelmäßig, aber auch in fast schon musikalischer Abfolge auf den Fenstersims treffen, vermögen diese milchig graublaue Stimmung nicht verschönern. Stimmung!! Selbst die Farbe des Flusensiebs vom Wäschetrockner ist milchig graublau. Stimmung!!

Januar, Februar sind die Monate, die das milchig graublaue Licht in die Herzen der Menschen bringen. Die letzten Vorräte, die man im Vorjahr durch den Sommer und Herbst über angelegt hat, neigen sich dem Ende. Wenn es ein schlechtes Jahr war, ist nicht mehr viel davon übrig, Hunger macht sich breit. Es ist die Zeit der Fasnet. Historiker sind sich nicht endgültig einig, ob die ausgelassenen Feste der Fasnet heidnischen Bräuchen entspricht oder aber erst entstanden aufgrund der Existenz der Kirche, um gegen die Obrigkeit und Kirche offen Kritik zu üben.

Jedenfalls haben unsere Vorfahren (zu Recht) in diesen milchig graublauen Monaten die Sau rausgelassen! Hatten sie doch mit uns gemein, daß ihnen sicher diese Stimmung aufs Gemüt schlug. Anstatt nun aber in Depressionen zu versinken, fingen sie an, die Dämonen, die sich um ihre Seele gelegt hatten, Hunger, trübe Aussichten zu vertreiben, indem sie verkleidet durch die Dörfer, verstreute Höfe und Städte zogen. In einigen Gebieten gab und gibt es den Brauch, daß vornehmlich Kinder von Tür zu Tür zogen beziehungsweise ziehen, um Essen oder Kohle, Holz zu ergattern. Aber auch Erwachsene trieb es um die Höfe, wo sie mit Schnaps und Eßbarem empfangen wurden.

Viele dieser Bräuche werden vor allen Dingen im alemannischen Sprachraum bis heute gelebt. Wer die Gelegenheit hatte, einem Hemdglonkerumzug mitzuerleben oder einen Umzug der Guggenmusiker erlebt hat, die Masken und das Häs (Kostüm) der unterschiedlichen Gemeinden bewundern konnte, wird sich wohl eher ein Bild davon machen, welchen ursprünglichen Sinn die Zeit vor dem Fasten hatte. Es war nicht nur die Zeit, die Vorräte aufzubrauchen, bevor sie schlecht wurden, sondern oft eine Abrechnung mit mißliebigen Verhalten und Handlungen einiger Personen.

Lassen Sie sich Ihre Stimmung nicht durch die milchig graublauen Tage vertreiben, sondern vertreiben Sie mit Ihrer Stimmung und Stimme die milchig graublauen Tage, auf das es wieder ein neues Frühlingserwachen gibt.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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