Griffel nicht nur zum Schreiben da


flickr.com/ labormikro/ (CC BY-SA 2.0)

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Nähe schaffen mittels Begreifen

Wer mag sich noch an die Zeiten erinnern, als wir zum Schreibenlernen einen Griffel in die Hand nahmen? Mit dem Griffel bekamen wir die Möglichkeit, Begriffe schriftlich zu begreifen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es noch so manchem Kind erlaubt, mit den Griffeln, schwäbisch für Finger, zu begreifen. Der Greifreflex, der jedem Baby angeboren ist, wird dem Kind ab einem gewissen Zeitpunkt verboten.

Es wird verboten zu begreifen. Obwohl es eine wichtige Erfahrung für jeden, selbst im Erwachsenenalter darstellt, Dinge mit den Händen zu ertasten, zu fühlen. Das Material durch den Tastsinn der Finger zu erproben, ob weich, flauschig, starr, glitschig, kalt, glatt oder wie auch immer beschaffen ist.

Den Griffel gab und gibt es immer noch in den verschiedensten Qualitäten, um auf der Schiefertafel unsere ersten Schreibversuche zu hinterlassen. Das Gute daran, es war jederzeit abwaschbar. Blöd nur, wenn das Geschriebene auf dem Weg zur Schule durch andere Utensilien, die vielleicht doch nicht in den Ranzen gehörten, verschmiert wurde. Dann konnte es ohne weiteres passieren, daß der oder die Lehrerin den Kindern eins auf die Griffel gab.

Mit den Griffeln greifen wir, um Nähe zu schaffen zu Dingen gegenüber Menschen, Tieren und Pflanzen. Ist es uns deshalb erst möglich, etwas verstanden zu haben, wenn wir es begreifen? Wenn wir eine geistige Nähe zu einer gewissen Aussage herstellen können? Manchmal sind wir schon etwas begriffsstutzig, wenn das sogenannte Lämpchen noch nicht eingeschaltet ist.

Der Trieb des Begreifens, Greifens kann schmerzhafte Erlebnisse nach sich ziehen, nicht nur für Kleinkinder, Kinder, ebenso für Erwachsene. Denn nicht alles, was wir begreifen, birgt positive Erfahrung, denken Sie nur an das Anfassen einer Herdplatte, Bügeleisen, Verbrennungen durch heißes Wasser, Feuer, der Erkenntnis, mit den falschen Menschen Umgang gepflegt zu haben, das Verstehen von Zusammenhängen, das schreckliche Ergebnisse aufzeigt.

Trotzdem sollten wir unseren Greifreflex, das Begreifen, unsere Griffel nicht von allen unangenehmen Dingen fernhalten. Legen wir manchmal die Finger auf eine offene Wunde, kann das zu klärenden Resultaten führen und zu einem neuen Bewußtsein.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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