Gedankenspiel zwischen Wut und Mut


flickr.com/ Marc Lagneau/ (CC BY-ND 2.0)

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Dem Scrabble sei Dank

Kennen Sie das Spiel Scrabble? Das Spiel mit den Buchstaben? Kreuzworträtselfans haben sicherlich schon öfters mit Denkerstirn vor dem Spielbrett und dem Buchstabenbänkchen, das Platz für die Buchstabensteine bietet, über die Zusammensetzung der Buchstaben zu einem Wort gebrütet.

Nun, Sie müssen nicht unbedingt ein Fan dieses Spiels sein, um zu wissen, durch ersetzen eines Buchstabens mit einem anderen, können Sie ein Wort mit komplett anderen Sinn erhalten.

Nehmen wir zum Beispiel das Wort Wut, das durch Hinzufügung des Wortes Bürger seit längerem als Wutbürger Einzug in den Sprachgebrauch gefunden hat. Laut Duden: Wutanfall, Wutausbruch, wutbebend, Wutbürger, wüten, wütend, wutentbrannt, Wüter, Wüterei, Wüterich, Wüterin, Wutgeheul, wütig, Wutrede, wutschäumend, wutschnaubend, Wutschrei, wutverzerrt.

Jetzt stellen Sie fest, daß keiner Ihrer Buchstaben so richtig für ein neues Wortgefüge passen will, da kommen Sie auf die Idee, das W um 180 Grad zu drehen und gestalten so den Buchstaben M. Mut. Und wieder einen Blick in den Duden: Mütchen, muterfüllt, mutig, mutlos, Mutprobe, Mutwille, mutwillig. Komisch! Weitaus weniger Wortverbindungen werden mit Mut zusammengesetzt, wobei zwei Wortkreationen auch noch das Gegenteil von Mut beschreiben. Mutlos und mutwillig. Erstaunlich, zeigt sich hier schon eine Prägung des gesellschaftlichen Verhaltens?

Ohne Zweifel ist die Wut über ein Geschehen, das uns belastet, unsere Gefühle, unseren Körper, unseren „geistigen Anspruch“ verletzt, erstmal ein positives Mittel, um wieder ins Gleichgewicht zu erlangen. Wut rauslassen ist Streßabbau, und wenn wir diesen Streß nicht gegenüber unseren Mitmenschen schleudern, legitim. Existieren deshalb so viele Wortverknüpfungen, weil wir damit öfters konfrontiert werden als mit Mut? Wut eine Emotion, Charakterschwäche? Mut eine Charakterstärke?

Ihre Mitspieler werden inzwischen unruhig, um nicht zu sagen wütend, weil Sie schon „stundenlang“ darauf warten, bis Sie endlich Ihre auf dem Bänkchen aufgestellten Buchstaben zu einem neuen Wort bilden, das mit denen auf dem Spielfeld bereits liegenden Wörtern verbunden beziehungsweise neu kreiert werden kann. Deshalb versuchen Sie gar nicht erst, den am Spiel Beteiligten von Ihrem Gedankenexkurs zu erzählen, sondern werfen mutig Ihre Spielsteine in den Beutel zurück, um neue Buchstaben zu ziehen.

Aber Sie können es sich dennoch nicht verkneifen, den verdutzten Mitspielern zu erklären, daß Wut vom Althochdeutschen wuot kommt und unsinnig bedeutet.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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