Der Schirm als unser Schutzschild


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Ohne weiteres auch mal auf Distanz gehen dürfen

Zurzeit benutzen wir ihn vermehrt, obwohl es zu dieser Jahreszeit eher weiße flauschige Flocken sein sollten, die auf unser Haupt niederrieseln, anstatt wie jetzt der Regen. Die Rede ist vom Schirm. Wir beschirmen unser Haupt ob der vielen Nässe, die mal in heftigen Güssen, aber auch in feinem Nieselregen aus den Wolkendecken strömen.

Eigentlich sollte man meinen, daß das Wort Schirm ein neueres Wort in unserem Sprachgebrauch ist. Aber weit gefehlt, althochdeutsch scirm bedeutet Schutz. Der Schirm bietet uns Schutz vor dem Regen, der Sonne. Diese beiden Schirmarten tragen, beziehungsweise zeigen wir offensichtlich in bunten oder dezenten Farben, mit verschiedenen Materialien kommen sie je nach Wetter zum Einsatz.

Es gibt aber Schirme, die wir als Schutzschild mit uns tragen, diese sind jedoch unsichtbar, sie werden nur bei Situationen eingesetzt, bei denen wir eine Distanz zu anderen aufzeigen. Sei es, daß wir bewußt den Platz wechseln, wenn jemand, der uns nicht zusagt, den engeren Raum um uns betritt oder sich in der Bahn, Bus neben uns setzt. Aber auch in Gesprächen spannen wir den unsichtbaren Schirm auf, wenn wir uns von den Themeninhalten des oder der Gesprächspartner distanzieren. Diese Schutzschirme sind wie die Schirme, die uns gegen die Wetter Unbill schützen wichtig. Warum? Sind sie nicht eher unnötiger Ballast, der Austauschmöglichkeiten verhindert?

Keineswegs, denn durch den Abstand, den wir durch den Schirm schaffen, ermöglichen wir uns den Eindruck oder das Gefühl, dem anderen gegenüber zu reflektieren. Eine spontane Enge beraubt uns dieser Möglichkeit, nimmt uns den Atem und kann sogar zu unkontrolliertem Handeln führen. Körperlich läßt sich dies sehr gut veranschaulichen, denn nur Personen, zu denen wir großes Vertrauen hegen, erlauben wir eine Umarmung. Bei Gesprächen ist es das gleiche Prinzip, nur Gedanken, Gesprächsinhalte, die uns vertraut sind, finden schneller einen Zugang zu uns, alle anderen unterziehen wir einer gewissen Überprüfung.

Würden wir jeden und alles ungefiltert, – denn eine Art Filter stellen die Schutzschirme dar -, auf uns einströmen lassen, wären wir im wahrsten Sinne des Wortes irgendwann matschig in unseren Gefühlen und Gedanken. Wir könnten uns nicht in klares Wasser verwandeln, in Individuen, die durch Unterscheidungen eine bewußte Vorstellung von Dingen, Personen und sich selbst erlangen.

Nur mit einer klaren Einstellung sind wir fähig, uns mit anderen Menschen oder Ansichten zu verbinden. Eine positive Gemeinschaft ist aus Bestandteilen vieler mit der Fähigkeit der Differenzierung und natürlich auch deren Anwendung zusammengefundener Individuen, ähnlich dem mathematischen Begriff der Mengenlehre.

Spannen Sie also ruhig Ihren Schutzschirm auf, wenn Sie sich dadurch besser fühlen, Sie werden ihn in dem Moment schließen, wenn Sie erkennen, daß Sie eine Einheit mit dem Gegenüber oder der Themenansicht bilden. Was aber nicht bedeuten soll, daß es nicht auch mal guttun kann, sich dem Regen oder der Sonne ohne Schirm auszuliefern.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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