Medien: Lautstarkes Gebrüll erreicht keineswegs eine Änderung


flickr.com/ Burr_Brown/ (CC BY-ND 2.0)

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Marktschreier auf verkehrtem Kurs

Hören Sie auch die vielen Schreie, die täglich durch die Medien fluten? Dabei ist es nicht sonderlich zu unterscheiden, ob das Gebrüll von den sogenannten freien Medien oder den etablierten Nachrichtenblättern unsere Sinne treffen. Am liebsten würde man zurückschreien: Ich bin nicht taub!

Unerheblich, ob die Schreie in schriftlicher, bildlicher Form zu uns dringen, sie versuchen, Mauern zu durchbrechen, so als ob wir aus Granit wären, unempfindlich, abgestumpft, seelenlos. Sie mißachten dabei, daß sie durch ihr Gegröle uns schon mehrfach getroffen haben, und selbst wenn wir aus Mauern wären, diese mit schneller Abfolge hinaus geschrienen Worte haben schon viele Einschläge, Löcher hinterlassen, die wir nicht so schnell reparieren können.

Trotzdem stehen wir weiter unter Beschuß, in Kenntnis unserer Verletzungen, damit wir irgendwann keine Kraft mehr haben, nur noch dulden? Schon richtig, sie wollen uns, die vermeintlich Schlafenden, Uninteressierten, aufwecken, aber lassen Sie sich wirklich mit dem Getöse eines durch Ihr Schlafzimmer brausenden Güterzuges wecken? Ihre Reaktion auf diese Weckmethode wird wahrscheinlich damit enden, daß Sie Ihren Wecker an der Schlafzimmerwand zertrümmern.

Nicht unbedingt derjenige, der auf dem Marktplatz seine Waren am lautesten anpreist, hat auch die besten Waren, nicht unbedingt derjenige, der die auffälligsten Reklametafeln blinken läßt, verkauft Ihnen Qualität. Schreie haben etwas befreiendes, sie können gestaute Emotionen, Ohnmachtsgefühle, Unaussprechliches ausdrücken. Wenn wir davon ausgehen, daß die Schreienden uns aufklären, wecken wollen, warum schreien sie denn alle immer so durcheinander, selbst wenn sie unsere Aufmerksamkeit erreicht haben?

Wir haben doch bereits verstanden, daß dies jetzt unsere Zeit ist, die Richtung vorzugeben, wohin das Schiff Erde segeln soll. Wir kaufen vermehrt biologische Produkte, kleiden uns mit Stoffen, die unter ökonomischen Gesichtspunkten produziert werden, vermeiden unnötige Verpackung, halten unseren Körper fit, unterscheiden zwischen notwendigen Medikamenten und sinnlosen, kurzum wir leben bewußter.

Darauf kommt es doch bei all dem Geschreie an, nicht ganz, da gibt es noch die politische und weltwirtschaftliche Komponente. Doch auch hier sind bereits Aktivitäten im Gange, die nicht nur hoffen lassen. Erwarten wir nicht zu viel auf einmal, selbst wenn es sozusagen eine Minute vor zwölf ist? Aber können wir wirklich eine seit Jahrtausenden unter verschiedenen Namen auftretende Gesellschaftspyramide anders abbauen als mit neu strukturierten, mehr auf zwischenmenschliche, ökologische, ökonomische Balance ausgerichtete Handels- und daraus erfolgende Politstruktur?

Wir halten diese Fäden bereits in der Hand, flechten wir damit eine neue Gesellschaftsstruktur. Also liebe Medien, schreien Sie nicht mehr nur Ihre Ohnmacht hinaus, sondern besprechen Sie die jetzt erforderlichen Schritte, Sie werden nicht auf taube Ohren stoßen, denn mit weniger Lärm können die Menschen auch wieder besser zuhören.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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