Demokratie: Erklärungsversuche zur Begrifflichkeit


flickr.com/ Mehr Demokratie e.V./ (CC BY-SA 2.0)

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Alte Lexika inspirieren ohne weiteres

Kennen Sie das auch, Sie suchen im Lexikon nach einem Begriff, Ihre Augen stolpern beim Blättern kurz über einen anderen Textinhalt, der Sie veranlaßt, diesen bewußter zu lesen. Sie verstehen den Abschnitt auf Anhieb, aber irgend etwas bringt Sie dazu, das Gelesene nochmals langsamer auf der Zunge zergehen zu lassen:

Demokratie

Diese Staatsform beinhaltet, daß die Staatsgewalt vom Volk ausgeht und jeder interessierte Bürger das Recht und die Möglichkeit hat, an politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken.

Demokratie kann aber nur dann funktionieren, wenn die Institution einer Demokratie, für die Mitwirkung aller Bürger offen ist und sich genügend Demokraten finden, die ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen.

Demokratisierung bedeutet der zielgerichtete Abbau von Privilegien und das ständige konstruktive Infragestellen der Autoritäten.

Der erste Satz geht runter wie Öl, wenn da nicht das Wort Möglichkeit stehen würde. Es ist irgendwie fehl am Platz, denn Recht bleibt Recht, und muß nicht noch möglich gemacht werden.

Der zweite Satz erklärt dann auch schon den Stolperstein „Möglichkeit“. Die Staatsform Demokratie wird als Institution, somit als eine Einrichtung, Organisation begrifflich verständlich gemacht. Wenn aber die Personen dieser Organisation der Meinung sind, diese Bürger seien keine Demokraten, haben sie die Möglichkeit, diesen Bürgern ihre Rechte und Pflichten in dieser Organisation zu verwehren. Die Möglichkeit der Teilnahme kann also verwehrt werden.

Der dritte Satz wiederum besagt, daß die Personen der Organisation sich das ständige Infragestellen gefallen lassen müssen und sie selbst daran arbeiten sollen, Privilegien, die nicht allen zugutekommen, abzubauen.

Eigentlich ganz einfach, oder? Nichts anderes passiert, wenn in „gesunden“ Familienverhältnissen, Gemeinschaften Gespräche geführt werden, ob der Handlungsweise Einzelner, über Verbesserungsvorschläge für gewisse Abläufe, über Neugestaltung irgendeiner Sache, die Themen sind mannigfaltig. Wenn die Grundlage der Gesprächspartner ein aufrichtiges Interesse dem anderen gegenüber ist, wird es trotz Meinungsverschiedenheiten Lösungswege geben.

Im Umkehrschluß müßte es also heißen, derjenige, der den Auftrag hat, eine Demokratie zu führen, muß das Recht vertreten, anderen die Möglichkeit zu geben und zulassen, daß seine Arbeiten, Ansichten, Meinungen ständig hinterfragt werden, dafür Sorge tragen, angewandte Privilegien zu minimieren, ansonsten ist er kein Vertreter dieser Organisation.

Manchmal lohnt es sich, doch mal wieder das Lexikon in die Hand zu nehmen, anstatt zu googeln, auch wenn das Gesuchte plötzlich zweitrangig wird, aber das Gefundene neu inspirieren kann.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Demokratie: Erklärungsversuche zur Begrifflichkeit

  1. Habnix schreibt:

    Nicht die Regierung muss das Volk regieren, sondern das Volk die Regierung regieren.

    Wenn die Demokratie führt, brauchen wir keine Führer.

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