Daphne – Lorbeerbusch als Sinnbild moralischer Reinigung


flickr.com/ wallygrom/ (CC BY-SA 2.0)

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Ein Kranz, der Schuldige vorführt

Die Bergnymphe Daphne, die jungfräuliche Jägerin aus der griechischen Mythologie, bittet ihren Vater Peneios um Hilfe, damit sie von den Nachstellungen des Apollon geschützt werde. Da Apollon den Liebesgott Eros als schlechten Schützen bezeichnete, schoss dieser einen Liebespfeil mit goldener Spitze auf Apollon und einen bleiernen Pfeil auf Daphne, der bei Daphne aber das Gegenteil von Liebeszuneigung bewirkte.

Um den ständigen Nachstellungen zu entkommen, verwandelte ihr Vater Daphne in einen Lorbeerbusch. Um diesen schmerzlichen Verlust zu kompensieren, trug Apollon seitdem einen Lorbeerkranz als Erinnerung an seine Liebe. Daphne, der erste Lorbeerbusch, galt daher in der Mythologie der Griechen als Sinnbild der gesundheitlichen, moralischen Reinigung und der Sühne.

Im Tempel des Apollon, dem Gott des Lichts, der Jugend, der Heilkunde und der Weissagung, wurden durch die Priesterin Pythia, Orakel von Delphi, Weissagungen ausgesprochen. Diese Weissagungen waren sehr oft zweideutig, und hier beginnt es interessant zu werden, denn laut Wissensstand über die Ereignisse um den Tempel und das Orakel wurde der Tempel mit Lorbeerblättern geschmückt und sogar mit Blättern dieses Strauches ausgefegt. Um sich reinzuwaschen, wenn falsche Aussagen gegeben wurden?

Erstaunlich auch in diesem Zusammenhang der von den Römern übernommene Kult der Griechen, Sportler und Dichter für ihre Leistungen mit einem Lorbeerkranz zu schmücken, war bei den Römern militärischen Siegern vorbehalten, die corona triumphalis. Diente der Lorbeer hier dazu, sich von den Sünden reinzuwaschen? So ganz abwegig ist dieser Gedanke wohl nicht.

Bis in die heutige Zeit gilt der Lorbeer, seine Blätter zu einem Kranz gebunden, als Symbol für Frieden, Erfolg, Ruhm und Ehre. Wir finden ihn auf Staatswappen und Fahnen, auf Geldmünzen, Uniformen, Siegeln, Firmenlogos und immer noch wie ursprünglich im alten Griechenland auf Ehrenabzeichen im Sport.

Arme Daphne! Du wirst zu deinem Schutz in einen Strauch verwandelt, der Täter trägt als Sühne deine Blätter und wird dadurch reingewaschen. Aber vielleicht zeigst du, Daphne, auch durch diesen Kranz allen, die diese deine Blätter tragen, daß jene Schuld auf sich geladen und dadurch zu erkennen sind.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Daphne – Lorbeerbusch als Sinnbild moralischer Reinigung

  1. marsman schreibt:

    Sehr schön ausgeführt – mit Tiefgang.
    Und mögen die Wissenden die Wahrheit erkennen und verbreiten.

    Gefällt mir

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