Schönheit der Jugend


flickr.com/ @lattefarsan/ (CC BY-SA 2.0)

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In Frage gestellt oder narzißtisch ins Netz?

Wer kennt sie nicht, die als Selfies getarnten Portraitphotographien? Vornehmlich von Jugendlichen schnell oder mit gewissenhaften Vorarbeiten, Hintergrund, Licht, Kleidung und Schminke aufgenommen, weiter verteilt auf sämtlichen Plattformen, die zu Verfügung stehen, ein bißchen mit Hoffnung auf möglichst große Verbreitung? Was veranlaßt die Jugendlichen zu diesem Treiben?

Nein, es folgt jetzt keine psychologische Lehrmeinung zu diesem Thema, davon kursieren inzwischen ebenso viele wie Selfies selbst. Interessant auch die Unbedarftheit der Verbreitung des Ichs von vielen Erwachsenen.

Schönheit ist ein lapidarer Oberbegriff und relativ. Wenn Kinder nicht von klein auf, meist durch Erwachsene zu hören bekommen, wie schön sie seien, entwickelt sich der Schönheitsbegriff für sich selbst, zu Beginn der Pubertät, nämlich dann, wenn Kinder, Jugendliche anfangen, Vergleiche zu ziehen. Ein Indiz dafür kann es sein, wenn die gekaufte Hose oder Pulli ohne vorherige Absprache plötzlich auf keinen Fall mehr gefällt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Reflektion, oft verbunden mit einer Rebellion der inneren Welt mit der äußeren Umgebung.

Zu allen Zeiten ist dieser Prozeß, diese Wandlung ein teils steiniger Weg für die Jugendlichen und für die Erwachsenen, die sie begleiten, ein Hochseilakt. Schönheit ist auf diesem Weg ein Schlüssel, wohlgemerkt nur ein Schlüssel von vielen, denn die Suche nach der Identifikation zwischen Kind und Erwachsensein erfordert das Öffnen vieler Türen.

Im sogenannten gesellschaftlichen Miteinander haben sich über Jahrhunderte viele Normen verändert, manche nur dem Namen nach. Andere durch das Entgegenwirken der jugendlichen Unbedarftheit und Rebellion haben ihren Stellenwert verloren. Jüngere Beispiele: Frauen dürfen Hosen tragen, Auto fahren, keiner rümpft mehr die Nase, wenn Menschen ohne Trauschein zusammenleben.

Was hat das mit Jugend und Schönheit zu tun? Ganz einfach, nur wer im Innern gefestigt und glücklich ist, strahlt nach außen Zufriedenheit und Schönheit aus. Jugendliche sind sehr oft zerrissen, Schönheit öffnet leichter Türen zum Austausch mit anderen. Freuen wir uns ob der Schönheit ohne Neid und Häme, dann öffnen sich die Jugendlichen auch dem Alter, und beide können von der innerlichen und äußerlichen Schönheit partizipieren, vorausgesetzt, sie haben es geschafft, das Glück der Jugend noch im Alter zu genießen.

Selfies sind nicht nur narzißtische Anwandlungen, sondern auch ein Ruf nach Anerkennung der Persönlichkeit. Im Zeitalter unseres medialen Verkehrs oft die einzige Möglichkeit von Austausch, weil gesellschaftliche Rahmenbedingungen ein persönliches Miteinander erschweren.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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