Zahnlos in Deutschland


flickr.com/ itsfid/ (CC BY 2.0)

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Mit dem nötigen Biß sind wir doch alle selbstbewußter

Technischer Fortschritt ist für jeden auf allen Gebieten des täglichen Lebens erkennbar, es sei dahingestellt, ob viele dieser Errungenschaften wirklich gute Ideen sind, denken wir nur an die vielen Überwachungsmöglichkeiten, an die Bequemlichkeit, kein Aufstehen zum Programmwechsel am Fernsehgerät, Nummernspeicherung an der Telephonanlage, Aufzug oder Rolltreppe anstatt Treppe. Andererseits verschafften viele technische Hilfen Erleichterungen in Bezug auf körperliche Schwerarbeit, die nicht nur die Arbeit mit schweren Materialen betrifft, sondern auch im mikroskopischen Bereich.

Durch die technischen Möglichkeiten, die auch Einzug in den medizinischen Bereich gefunden haben, erscheint es äußerst fragwürdig, warum deren Kosten im Vergleich zu den medienwirksamen Vergnügungen immer noch sehr hoch, für Otto Normalverbraucher nicht bezahlbar sind.

Erinnern Sie sich noch an die Abwrackprämie? Glaubt man den veröffentlichen Zahlen, so wurden 2009 für die Verschrottung teils noch fahrtüchtiger Autos eine Summe von 5 Milliarden Euro investiert. Wem hat´s geholfen? In erster Linie den Autoherstellern und den Autohäusern. Konjunktur ankurbeln nennt man das!

Keineswegs wird es manchen Zahnärzten und zahntechnischen Labors so furchtbar finanziell mies gehen, wie damals der Autoindustrie, oder sie trauen sich nicht auf diesem hohen Niveau zu jammern.

Stellen Sie sich vor, diese Summe würde für Korrekturen schiefstehender Zähne und Zahnprothesen investiert. Aber das bleibt natürlich nur eine Phantasie, ein Traumgebilde, denn wo kämen wir hin, wenn Mensch lächeln und im Alter auch mal wieder kräftig zubeißen könnte. Das ist das Privileg der Reichen, mit strahlenden, weißpolierten Zähnen dem Rest der Welt ihr Erfolgslächeln bei jeder Gelegenheit in die Kamera zu halten.

Deutschland ist zahnlos, ohne Biß, ohne Lächeln, auch wegen der verfehlten Gesundheitsvorsorge, -leistung, Brei zu verabreichen ist sowieso leichter. Technologien, die zur Verbesserung der Gesundheit eingesetzt werden, dienen nicht dem einnebelnden Medienkonsum, der Protzerei mit Statussymbolen.

Ein Photo aus Deutschland mit neuen Autos läßt sich besser an die Welt verkaufen als Menschen, die mit Biß in die Kamera lächeln, denn die könnten eventuell mit neuem Selbstbewußtsein nicht mehr alles kauen, was ihnen von den gesponserten Medien vorgesetzt wird.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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5 Antworten zu Zahnlos in Deutschland

  1. Helmut Josef Weber schreibt:

    Sehr geehrte Frau Mock-Kamm, da liegen Sie aber falsch.
    Über den Daumen bekommt ein gesetzlich Versicherter bei eingehaltenen Vorsorgeuntersuchungen etwa 50% Zuschuss zu dem notwendigen Zahnersatz.
    Sozial Schwache, die Sozialleistung erhalten, oder ähnlich niedriges Einkommen haben, erhalten den doppelten Zuschuss, auch wenn sie nicht Vorsorge betrieben haben; also kostenlosen Zahnersatz.
    Ich wohne in Südspanien, da wird nur das Ziehen der Zähne von der Krankenkasse bezahlt.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

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    • Doris Mock-Kamm schreibt:

      Sehr geehrter Herr Weber,

      im Gegensatz zu Artikeln, die über Geschehnisse berichten, schreibe ich Kolumnen. Das Spiel mit Metaphern können Sie aus fast allen meinen Texten ersehen. Natürlich haben Sie Recht, in Deutschland muß niemand wirklich zahnlos leben.

      Doris Mock-Kamm

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  2. Habnix schreibt:

    In dem Artikel ging es bestimmt nicht darum, ob jemand in Deutschland zahnlos leben muss, sondern wohl eher versteckt um zu hohe Krankenkassenbeiträge. Oder hab ich da was falsch verstanden?

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  3. Helmut Josef Weber schreibt:

    Ah– ja, das habe ich wohl in der Eile falsch verstanden, denn ich ich muss immer streng mit der Realität und der Logik arbeiten, um das Leben zu bewältigen.
    Aber wohl meine Schuld.

    Dazu sagt der Duden:
    Synonyme zu Kolumne
    •Druckspalte, Zeitungsspalte; (bildungssprachlich) Rubrik
    •Beitrag, Kommentar, Kritik, Meinungsbeitrag
    •Kolonne, Zahlenreihe
    Was war es denn nun???
    Das was Sie da geschrieben haben, ist rechtlich, sachlich und nachprüfbar falsch.
    Sollen das Kolumnen sein?
    Warum schreibt man so etwas?
    Was wollen Sie damit ausdrücken?
    Wenn es ein Witz war, dann habe ich ihn nicht verstanden.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

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    • hraban57 schreibt:

      Sehr geehrter Herr Weber,

      in der Ruhe liegt die Kraft, auch die des „zu bewältigenden Lebens“. Wenn Sie schon den Duden bemühen, dann nicht wundern, daß der Ihnen so gar nicht erklären vermag, was das Wesen der Kolumne ausmacht. Das Herumreiten auf Sachlichkeit führt so gar nicht weiter. Da hat der Kommentar von „Habnix“ schon mal viel eher den „Witz“, den Sie der Kolumnistin unterstellen, verstanden. Gerade Kolumnen haben eben nicht den Anspruch eines journalistisch verfaßten Artikels, sie spiegeln in erster Linie eine Meinung, auch Quergedanken wider. Warum Kolumnen verfassen? Ganz einfach, weil sie Ausdruck einer Auseinandersetzung zu unterschiedlichen Aspekten beinhalten, eben ohne Rechthaberei oder dergleichen, ob nun nachprüfbar oder nicht. Zudem hat die Autorin doch Ihrem Einwand zugestimmt.

      MfG

      Lotar Martin Kamm

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