Kindheitserinnerungen – Wunschvorstellungen


flickr.com/ Hans-Peter Fuchs/ (CC BY-ND 2.0)

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Der Innovation entschieden entgegentreten

An der Hand der Mutter und nicht alles verstehend, was zwischen dem Schneider und ihr gesprochen wurde, schweifte der Blick des Kindes auf die Sachen, die hinter der Glasscheibe der Ladentheke auslagen. Bunte Bänder, glitzernde Knöpfe, Nadeln und vieles andere, deren Namen das Kind noch nicht kannte.

An den Wänden der Schneiderei waren Schränke mit Schubladen, auf denen lauter Knöpfe angebracht, durch eine offene Tür zu einem Hinterzimmer war das Surren einer Nähmaschine zu hören. Viele neue Eindrücke nahm das Kind in sich auf, und als es groß genug war, selbst Einkäufe oder Nähbestellungen beim Schneider aufzugeben, dachte es zeitweise immer noch an jenen ersten Eindruck und freute sich, wenn es bekannte Dinge wiedersah.

Welches Kind hat heute noch die Möglichkeit, Handwerkern bei ihrer täglichen Arbeit zuzusehen, außer vielleicht bei den seit einigen Jahren aufkommenden Kunst- Handwerker- Mittelaltermärkten? Aber werden die perfekt platzierten Ausstellungsstücke, all das weitgehend zum Kauf angebotene Spektrum der Waren und vielleicht der kurze Blick auf die Herstellungsmethode ausreichen, um ein Verständnis aufzubringen, die nötige Vorarbeit zur Herstellung des Endproduktes, sprich den Arbeitsablauf zu verstehen und Interesse für das Handwerk zu empfinden?

Eher nicht, die Faszination wird kurz sein, das Kind in den seltensten Fällen Begeisterung aufbringen, das gesehene Handwerk auch als Beruf sich vorstellen. Nicht nur Erwachsene verinnerlichen die Vorstellung, das Gesehene selbst herzustellen oder nachzueifern, wenn das Produkt oder das Material eine gewisse Anziehungskraft ausübt.

Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts, als es in den Straßen der Städte und Dörfer noch nach Arbeit roch, der Geruch der Gaststätte, der Wäscherei, des Friseurs, des Bäckers, waren der Lärm des Tischlers, der Schmiede, der Autowerkstatt und des Steinmetzes Erinnerungen an eine gesellschaftliche Gemeinschaft, die im positivsten Falle ein friedliches Miteinander pflegten.

Diese Zeiten herbei zu sehnen, wäre verschwendete Energie, zumal je nach Handwerk Schwerstarbeit geleistet werden mußte, sei es körperlicher Art oder durch zeitlichen Aufwand, um „mit seiner Hände Arbeit ein gutes Leben führen zu können“, aber eine Rückbesinnung ohne nostalgische Trübsal, sondern mit der Reflektion des Machbaren aus heutiger Sicht und dem Erwerb einzelner Waren direkt vom handwerklichen Betrieb, könnte eine Bereicherung für mehrere Gebiete der Gesellschaft sein.

Erinnern Sie sich noch, als Gerhard Schröder während seiner Regierungszeit uns alle auf Innovationen eingeschworen hat? Nun, Herr Schröder und auch an alle Politiker, das war und ist der völlig falsche Ansatz, siehe die Ergebnisse, die daraus resultierten.

Nova sind die einzigen Chancen auf langfristige positive Veränderungen in der Gesellschaft, nicht nur auf wirtschaftlicher, sondern auch auf geistiger Ebene, denn solange nur erneuert und dadurch geflickschustert wird, ändert sich am Prinzip nichts.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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