Nachrichten reißerisch oder doch eher dramaturgisch begleitet


flickr.com/ Max Braun/ (CC BY-SA 2.0)

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Mittels Differenzierung erhalten sie ihren letzten Schliff

Müssen wir nachrichten? Richtig gelesen! Nachrichten bedeutet, etwas Geschehenes, etwas Produziertes, etwas Fertiges noch einmal zu korrigieren, zu verbessern, den letzten Schliff zu verpassen, vielleicht sogar neu formulieren. Sind Nachrichten deshalb sehr oft reißerisch, damit die Geschehnisse durch nachrichten auf eine zugespitzte Aussage stärker bewußter aufgenommen werden können?

Die Verkaufspsychologie wird dem zustimmen.

Brauchen wir nachgerichtete Nachrichten? Im Grunde nicht! Werden Nachrichten, die „nur“ Berichte sind, nicht so intensiv und langanhaltend in unserem Gedächtnis bleiben? Geschichten, Romane, Erzählungen, Fabeln, kurzum Mitteilsames verfügen über mannigfaltige spannende Zuspitzungen in ihrem Erzählablauf, also eine gewisse Dramaturgie.

Ein Buch wird schnell zu Seite gelegt, wenn sein Inhalt nur so dahinplätschert wie ein seichter Fluß, wenn aber Wasserfälle, Stromschnellen oder Untiefen wie ein roter Faden durch das Geschriebene fließen, fesselt das Geschriebene den Lesenden. Besonders in Bann ziehen uns Erzählungen, wenn eine Identifikation der Figuren mit dem eigenen Ich erkennbar ist oder Sehnsüchte geweckt werden, Charakterzüge der handelnden Personen selbst zu erringen, dann wird das Buch uns fesseln, und wir werden den Inhalt nicht so schnell vergessen.

Muß also nachrichten sein? Gute Nachrichtenportale, Zeitungen und Zeitschriften zeichnen sich durch Journalisten aus, die wortgewandt über Geschehenes berichten, ohne nachrichten zu müssen.

Dabei kommt es nicht auf eine „gewählte“ Sprachausführung an, sondern auf die Ausdrucksstärke der Wörter, die den Zusammenhang zwischen Geschehen und Nacherzählen verbinden.

Lassen wir ruhig Nachrichtenblättern ihr Podium und ihr Publikum, könnten wir sonst unterscheiden, wo nachgerichtet wird und wo berichtet? Denn nur durch Differenzierung können wir Inhalte erkennen, sie einzeln betrachten und schlußendlich unser Wissen bereichern.

Und überhaupt, gibt es wirklich jemanden, der sich selber nie nachgerichtet hat, sei es auch nur mit dem Wegstreifen einer Haarsträhne von der Stirn?

Wir richten tagtäglich viele Dinge nach, oft sogar ohne uns dessen bewußt zu sein, müssen wir also nachrichten?

Die Vielfalt des Lebens spiegelt sich in allen Dingen, es muß nicht unbedingt immer im Perfekten sein.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu Nachrichten reißerisch oder doch eher dramaturgisch begleitet

  1. Tim Buktu schreibt:

    Klingt wie das Wort zum Sonntag, lässt sich aber nicht bestreiten.
    Dennoch scheint die Presse mit dem Nachrichten der bereits nachgerichteten Nachrichten nicht nachzukommen.
    Heute: die Waffen der Terroristen stammen aus Deutschland. Alle stürzen sich drauf und verbreiten die „Nachricht“ – Stunden später wird alles zurückgenommen.
    Das ist doch schon wie Getratsche im Treppenhaus. Darauf kann ich verzeichten!

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    • Doris Mock-Kamm schreibt:

      Tim Buktu, Nachrichten sind „Getratsche im Treppenhaus“. Im Blätterwald gibt es nun mal die „Tratschweiber“, die sich dadurch profilieren, als Erste das, meistens, Verwerflichste mitzuteilen. Die Aufgeklärten werden auf solche Stories nicht hereinfallen, die anderen allerdings lassen sich bis zur „Selbstjustiz“ aufstacheln.

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  2. Tim Buktu schreibt:

    http://www.welt.de/politik/ausland/article149325553/Woher-stammen-die-Pariser-Terrorwaffen.html

    Nach Medienberichten sollen …sollen…könnten…Bericht zunächst nicht bestätigen. Es werde noch ermittelt….festgenommen worden ist…. mutmaßlich…gingen davon aus….sei verhaftet worden (na was denn nun, er ist doch schon festgenommen war zu lesen)…sitze nach seiner Festnahme…
    Danke!

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