Indien: Bauxitabbau vs. Oberster Gerichtshof im Fall der Dongria Kondh


flickr.com/ Rita Willaert/ (CC BY-NC 2.0)

flickr.com/ Rita Willaert/ (CC BY-NC 2.0)

Bergbaukonzern Vedanta erneut im Fokus der Öffentlichkeit

Es zählt immer nur der Profit, auch wenn Mensch und Natur darunter zu leiden haben. Selbst Gerichtsbeschlüsse können jederzeit umgangen oder gar mißachtet werden, eine mitverantwortliche Regierung gibt nur allzu oft nach, falls sie dabei sich selbst Vorteile erhofft. Deutlicher ausgedrückt: Korruption öffnet sehr viele Türen.

Im ostindischen Bundesstaat Odisha, fast halb so groß wie die BRD, liegt das Gebirge Niyamgiri, die Heimat der Dongria Kondh, einem Volk mit über 8.000 Einwohnern, welches allerdings vom britischen Bergbaukonzern Vedanta Resources seit Jahren bedroht wird, der dort Bauxit abbauen wollte. Erst ein im April 2013 entschiedenes Urteil des Obersten Gerichtshofes überließ den Ureinwohnern das letzte Wort, ob der Abbau erfolgen dürfe. Trotzdem fällt der zuständigen Bundesregierung in Odisha nichts besseres ein, als ein erneutes Referendum in die Wege zu leiten, Bauxit abzubauen, die in der Nähe sich befindende Aluminiumraffinerie des Konzerns zu beliefern.

Uraltes Wissen der Dongria kommt allen zugute – Vedanta errichtet illegale Raffinerie

Genauso wie im südamerikanischen Busch, wo bekanntlich die dort lebenden indigenen Völker ihren Regenwald sehr gut kennen, behutsam mit ihm umgehen, verhält es sich mit den Dongria. Sie beherrschen die vielen Quellen und Flüße, leiten per Bewässerungssysteme das notwendige Trinkwasser an entsprechende Stellen, was allen Anwohnern zugute kommt. Dabei geht es nicht um ein paar Tausend, sondern um Millionen von Menschen. Hinzu kommt ihr uraltes Wissen ob der Vegetation, sei es über seltene Heilkräuter, das Sammeln verschiedener Pflanzen und deren Früchte in den Wäldern, die Kultivierung von angelegten Obstgärten.

Der britische Konzern Vedanta hingegen errichtete zunächst illegal eine Raffinerie in Lanjigarh, einer Stadt in nördlicher Ebene zum Niyamgiri-Gebirge, weil eine Abbaugenehmigung zunächst nicht vorlag. Anstatt damals schon anschließend die Konsequenzen zu ziehen, ließ die Bundesregierung einfach den Konzern gewähren, allerdings mit der Auflage, daß Vedanta kein Wald erschließen dürfe. In der Folge ignorierte der Konzern die Anweisung, annektierte rund 600.000 m² Wald, zerstörte das ganze Dorf Kinari und zwang über hundert Majhi-Kondh-Familien in eine extra vom Konzern errichtete Betonsiedlung zu leben. Das bedeutete für sie, kein Ackerland, einige dürfen bei bei Vedanta arbeiten, der Großteil schlägt sich mit Almosen durch.

Protest -Aufruf

Schon einmal hatte die Weltöffentlichkeit mit etlichen Protesten Wirkung gezeigt, konnte die verantwortliche Bundesregierung vor Ort überzeugen, erstritt nach langem Rechtsstreit das Urteil beim Obersten Gerichtshof. Was vor zwei Jahren gelang, kann jetzt ebenso wieder fruchten.

Machen Sie mit, werden Sie aktiv, hier der Link zu Survival International. Eine effektive Möglichkeit ist die Zusendung eines Briefes an den zuständigen Minister für Umwelt und Forstwirtschaft, Herrn Prakash Javadekar. Die meisten möchten lieber per Email senden, doch wesentlich wirkungsvoller ist tatsächlich ein Brief selbst, der von Deutschland nach Indien gerade mal 80 Cent kostet.

Helfen Sie mit, daß ein britischer Bergbaukonzern eben nicht nonchalant sich über geltendes Recht erheben kann, eine Regierung obendrein umschmeichelt und erneut ein Volk vertrieben wird.

Ihr

Lotar Martin Kamm

Dieser Beitrag wurde unter Bedrohte Völker abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.