Iran – ein Land im Umbruch?

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CCO 1.0 by Garry Knight

Vielleicht habt Ihr es schon mitbekommen, wenn nicht, hier zunächst nochmal zusammen-gefasst, mit geschichtlichem Hintergrund:

Der Iran war bis in die 70er ein weltoffenes und modernes Land. Die Universitäten weltweit bekannt und beliebt. Auch hier hatte die Hippie-Bewegung für Wandel gesorgt. Die Menschen trugen die Haare lang und offen, Röcke waren kürzer geworden, in Cafés wurde bei Wasserpfeifen und Wein diskutiert, und Jugendliche hörten Rock und Punk. Manche Menschen waren atheistisch, viele Menschen gemäßigten muslimischen Glaubens, aber es gab auch streng-/konservative muslimische Strömungen.

Doch da waren auch Schattenseiten. Das Land wurde vom Schah Mohammad Reza Pahlavi regiert. Der zwar auf der einen Seite die Rechte der Frauen stärkte (Wahlrecht, Abtreibungsrecht z.B.), Bildung und Kunst förderte und die Wirtschaft modernisierte, aber andererseits profitierten nur einige wenige vom wachsenden Reichtum, die Armut wuchs, er lehnte Demokratie und Meinungsfreiheit ab und ließ foltern. Für die konservativen Muslime war er viel zu westlich.

1979 dann kam der Sturz des Schahs durch die Islamische Revolution, und die Zeit der Islamischen Republik begann. Alle Opposition wurde ausgeschaltet, von Folterungen und Hinrichtungen begleitet. Strenge Moralvorschriften nach der Scharia eingeführt und durchgesetzt.

Heute spielt nach wie vor der konservative Glauben eine große Rolle in der Regierung, der Gesellschaft und dem Alltag der Menschen. Das Rechtssystem wird immer noch nach der Scharia ausgelegt. Die Menschenrechtslage ist katastrophal:

Folter und Misshandlungen an Gefangenen sind üblich, die Todesstrafe wird angewendet, selbst bei jugendlichen Jungen und Mädchen (da diese als voll straffähig gelten) und es kam immer wieder zu Massenhinrichtungen.

Meinungsfreiheit ist nicht vorhanden – es gibt weder Informations-, Rede- noch Pressefreiheit.

LGBT-Gemeinschaften sind illegal. Homosexuelle Handlungen werden mit der Todesstrafe belegt.

Schon Kinder können verheiratet werden (Jungen ab 14, Mädchen ab 13 Jahren).

Frauen haben so gut wie keine Rechte. Gewalt und Vergewaltigung durch den Mann ist in der Ehe erlaubt. Da außerehelicher Geschlechtsverkehr mit dem Tod bestraft wird, bringt das die Opfer von Vergewaltigungen durch fremde Männer in prekäre Lage. Sie benötigen die Zustimmung des Ehemannes fürs Verreisen, den Besuch der Eltern, Berufstätigkeit oder die Scheidung. Aussagen vor Gericht sind nur halb so viel wert wie die eines Mannes. Sie müssen den Hidschab tragen.

Doch bei den Frauen rumort es. Da sie sich bilden dürfen, ist das Bildungsniveau der Frauen nun höher als je zuvor. Frauen, die sakulär orientiert sind, lassen, um sich Rechte zu sichern, die Männer vor der Eheschließung Verträge unterzeichnen. Religiöse Diskussionen um die Gleichstellung der Frau haben begonnen. Und sie versuchen immer wieder, die strengen Bekleidungsvorschriften zu brechen.

Am 13.09. hatten sich nun bei der Kurdin Mahsa Amini ein paar Haarsträhnen aus dem Hidschab gelöst. Grund für die Sittenpolizei sie festzunehmen. Drei Tage später war sie tot. Laut Darstellung der Polizei wegen einem plötzlichen Herzinfarkt. Augenzeugen zufolge wurde sie aber auf der Fahrt zur Wache durch die Polizisten so stark verletzt, dass sie Hirnblutungen bekam, ins Koma fiel und daran im Krankenhaus verstarb. Das führte zu Protesten, die nun immer größer und mittlerweile landesweit stattfinden. Die Regierung versucht, diese gewaltsam zu beenden. Viele Verletzte und einige Tote sind schon zu beklagen. Unter anderem ein 10-jähriges Mädchen wurde erschossen. Doch die Menschen geben nicht auf, es scheint ein Umbruch möglich zu sein. Zu lange wurden die Menschen unterdrückt.

In den sozialen Medien finden sich zahlreiche Videos der Proteste, von Frauen aber auch Männern, die sich aus Protest die Köpfe rasieren, wie Hidschabs tanzend auf der Straße in Feuern verbrannt werden. Begleitet von Exil-Iraner*innen und Menschenrechts-aktivist*innen weltweit, die aufklären und zu Unterstützung aufrufen. Nun kamen Meldungen, dass die Regierung das Internet sperren will.

Meiner Meinung nach müssen wir ihnen helfen. Um rechte/rechtskonservative Denk- und Handlungsweisen endlich besiegen zu können, müssen wir uns weltweit für Menschenrechte einsetzen. Wer der gleichen Meinung ist und helfen möchte, hier ein paar Möglichkeiten wie Ihr unterschiedlich Ihr handeln könnt:

– Liked, kommentiert, teilt Content aus Artikeln und sozialen Medien.

– Stellt selbst Content her, duettet Videos, schreibt Blogeinträge, etc.

Je mehr Aufmerksamkeit, desto eher schalten sich Journalist*innen ein, werden Aktivist*innen, NGOs und Regierungen aktiv!

– fordert unser Außenministerium zum Handeln auf: poststelle@auswaertiges-amt.de

– unterschreibt eine Petition z.B. https://chng.it/PRLpNmCsw9 oder startet selbst eine

– Nehmt an Demonstrationen teil/organisiert eine (heute gibt es welche z.B. in Dortmund, Köln und Hamburg)

Um den Iraner*innen weiterhin Internetzugang trotz Sperrung zu ermöglichen:

– snowflake auf dem Computer oder Handy installieren (hier ein Artikel dazu: https://www.kuketz-blog.de/raspberry-pi-menschen-mit-snowflake-helfen-internet-zensur-zu-umgehen/)

Damit gibt man*frau Menschen (nicht nur im Iran), die durch Regierungen keinen freien Internetzugang haben, einen Teil seiner Internet-Bandbreite ab (jederzeit pausierbar, falls gerade vollständig selbst benötigt)

Viel Erfolg!

P.S.: Das ist mein erster Artikel, als Quelle hab ich mein Wissen aus Videos sozialer Medien und Wikipedia- und Zeitungsartikeln genutzt. Falls ich z.B. zum geschichtlichen Hintergrund, etwas falsch wiedergegeben habe, bitte mit Quellenangabe für die Fakten, gerne anschreiben. Wird, nach Prüfung auf Korrektheit, dann natürlich sofort verbessert.

Danke fürs Lesen, Eure

ladidadidadida

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Eine Person ein Druck

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Ein Knopf, ein Druck
und Druck auf Brust
Menschen zerschmettert

ein Wort, ein Vokal
und gewechselt
tödliches Fanal

Atem, Atom
und interessiert
Schicksale bloß

eine Person, ein Druck
und futsch
Leben

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Stürmischen Zeiten entgegen

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Audreys Suche nach Lisa

Ganz leise, fast unmerklich, nahm der Wind an Fahrt auf, was einem aufkommenden Sturm glich, den viele so gar nicht wahrhaben wollten. Immer diese Miesepeter mit dem Reizwort Klimawandel, Verdrängen konnte so herrlich einfach sein, wer dies konsequent fast schon unlogisch zelebrierte. Die allermeisten Menschen hegten Hoffnung trotz katastrophaler Anzeichen, die sich nicht erst seit gestern offenbarten. Schon wieder stürmisch im Spätsommer. Was soll’s, wir gewöhnten uns dran. Tatsächlich? Oder aber jene Szenarien ermüdeten den restlichen Verstand, der noch vorhanden, ein paar Zweifler ratlos die Schultern zucken ließ. Schlagartig hatte sich längst der Himmel verdunkelt, Regenpakete drohten aufzubrechen.

Audreys Schirm zerfetzte im nächsten Augenblick, kein Wunder bei jener Böe, die mit 145 km/h wie aus dem Nichts nicht nur ihn erfaßte, sondern gleichzeitig ein Mountainbike wie von Geisterhand nach oben schnellte, es um ein Haar Lisas Kopf getroffen, wenn die Dreißigjährige nicht folgerichtig reagiert hätte. Sie ließ sich und ihre Tochter nach unten ziehend aufs Straßenpflaster fallen, konnte noch mit ihren Händen sie abstützen, auch wenn diese ausgerechnet in einem Scherbenhaufen landeten. Wie oft hatte sie den Nachbarjungen gepredigt, daß Glasflaschen eben nicht mutwillig auf den Boden geschmissen werden. Jetzt erinnerte der jähe Schmerz sie an jene Schandtaten. Auch Lisa wurde dabei verletzt, heulte wütend.

I put a spell on you, because you’re mine, You better stop the thing that you’re doin‘, kam Audrey in den Sinn, der CCR-Song haftete als Ohrwurm in ihren Gedanken, ließ sie kaum los trotz der bedrohlichen Situation. Auf der anderen Seite hatte auch in ihrem Bekannten- und Freundeskreis sich längst herumgesprochen, wie schnell solche gefährlichen Unwetter immer häufiger aufkommen sollten. All die Klimawandelleugner wurden eines Besseren belehrt. Dennoch verharrten etliche auf ihren ignoranten Standpunkten, blendeten die Realität schlichtweg aus, reimten sich dafür lieber irrsinnige Verschwörungstheorien zusammen, die ohnehin dem Wahnsinn nahe für genügend Leichtsinn sorgten.

Einerlei, jetzt galt es, besonders wach zu bleiben. Sie schaute sich um, wo Lisa wohl abgeblieben war. In ihrer Verzweiflung schrie sie lauthals in den Sturm hinein, obwohl die Lautstärke des Orkans sämtliche anderen Töne schlichtweg aufsog. Ein sinnloses Unterfangen, wußte sie im nächsten Moment, während etliche Gegenstände sie beinahe trafen, sie sich instinktiv wegduckte, in einen Hauseingangsbereich hechtete, um halbwegs Schutz zu suchen.

Wassermassen stürzten hinab, innerhalb der nächsten Minuten schwoll die Flut zu einem reißenden Fluß an, der alles mit sich sog, was nicht niet- und nagelfest war, von Lisa weiterhin keine Spur. Audrey machte sich ernsthafte Sorgen, wollte allerdings nicht unnötig in Panik geraten, zumal sie auf Lisas Umsicht vertraute trotz des Unwetters. Nur allzu oft hatte sie ihre einzige Tochter vorsorglich auf solche Gefahrensituationen geschult, wie man sich verhalten sollte. Schutz suchen, möglichst gezielt, vor allem sollten die ersten Etagen in größeren Bauwerken aufgesucht werden, bloß nie Keller oder Tiefgaragen, Wasser fließe nun mal wie in einem Becken abwärts, fülle alles, was wiederum dann eine tödliche Falle wäre, selbst für erfahrene Schwimmer, dies sei ähnlich wie bei Strudeln in Flüssen. Insofern hoffte sie auf Lisas Erinnerung.

„Hi Mum, hier oben bin ich, schau mal über dich“, konnte Audrey gerade noch im tosenden Lärm hören, schaute abrupt hoch und entdeckte Lisa, die sich just übers Geländer einer Terrasse winkend beugte. Erleichtert grinste sie ihre Tochter an und verschwand im Treppenhaus, um ihr entgegenzueilen. Dabei verlor sie im Wasser fast das Gleichgewicht, ein paar Stufen weiter hatte sie endlich wieder trockenen Boden unter den Sohlen. Inzwischen wurde es merklich dunkler, die Sonne war bereits untergegangen, der Regen ließ nach. Nur der Sturm wollte sich keinesfalls legen, eine Möwe konnte ihnen gerade noch ausweichen, bevor sie gegen die Hausmauer geschleudert wurde. Lisa und Audrey umarmten sich schluchzend, während Sirenengeheul nahende Rettungswagen verkündete.

Würde die Menschheit endlich erkennen, wie dringend notwendig der Ernst der Lage war? Oder mußten noch heftigere Wetterextreme sie daran erinnern, daß wir auf Erden nur dann sicherer leben werden, wenn wir behutsamer mit unseren Ressourcen, der Natur und Umwelt umgehen, anstatt den Weg jener Zerstörung und Ignoranz fortzusetzen?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Kein Sinn mit diesem Putin

Haut den Despoten
auf ihre dreckigen Pfoten,
sie wollen nur ausloten,
egal ob etlicher Toten,
Proteste seien verboten.

Der Putin ruft auf zum Krieg,
glaubt an einen Sieg,
die Wahrheit sei eine Lüg‘,
der Westen uns alle betrüg‘,
so dessen gezielte Rüg‘.

Die Russen ahnen längst den Betrug,
haben von Putins Propaganda genug,
steigen nicht auf dessen Zug,
zu Boden fällt der volle Krug,
am Ende wer wohl wen dann schlug?!

Die Welt hat all die Gewalt so satt,
Mensch fühlt sich wie eine kranke Ratt‘,
Krieg fand viel zu oft schon statt,
Herrscher stehen vorm Schach matt,
sie handeln verlogen, zu aalglatt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Kälte im Herzen des Krieges Antriebsfeuer

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„Krieg“, flüsterte das Kind.
Überall wehten Fahnen im Wind.

Weihrauch verklebte die Gedanken.
Bunte Bleiglasfenster hoch oben ranken.

Kein Blau des Himmels mehr in Sicht.
Das ist des Bombenwerfers böse Absicht.

„Bete, damit der Krieg aufhört!“
Das Flüstern des Kindes stört.

Stille soll Gott zur Hilfe mahnen.
Sie verharren in Warten wie bereits ihre Ahnen.

Kälte dringt in Herzen im alten Gemäuer.
Kälte im Herzen des Krieges Antriebsfeuer.

„Krieg“, schreit das Kind.
Sein Schrei erinnert an auffrischenden Wind.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Ferne, die Nähe brachte

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Nur die Zäune standen Spalier,
ich vergaß,
natürlich auch die Tasten auf dem Klavier,
an dem er stundenlang saß.

Ansonsten war Ordnung nicht sein Ding,
Bücher nie in Reihe standen,
chaotisch es bei ihm zuging,
nicht viele Menschen den Weg zu ihm fanden.

Selten nutzte er Zeit für ein gesprochenes Wort,
seine Anwesenheit nicht nur von einem Leben erzählte,
die Stille sprengte alle Grenzen an diesem Ort,
alle Töne wurden zur Melodie, die jeder für sich erwählte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wider die Logik

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Es rauschen manch Winde
übers Land,
ungebremst, viel zu lang,
während Regenmassen
ihnen einfach folgen.

Mensch schaut
ahnungsvoll zu,
der Ursache bewußt,
ohne Konsequenzen
daraus zu ziehen.

Es fließen Gelder
gezielt in Taschen,
vor lauter Gier,
während Leid und Elend
den Alltag bestimmen.

Mensch ignoriert
jene Verbrechen,
Würde sei unantastbar,
Reichtum ein Schutz,
Armut ein lästiges Muß.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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