Klimaschutzpaket alles andere als wirkungsvoll

GroKo unterstreicht ihre Unfähigkeit

Während weltweit der angekündigte Klimastreik im vollen Gange für die dringend notwendig berechtigte Aufmerksamkeit sorgte, einigte sich in einem Sitzungsmarathon die GroKo zum sogenannten Klimaschutzpaket, welches man zugleich als eher enttäuschend bezeichnen muß, wie auch die Grünen-Co-Chefin Annalena Baebock im Anschluß getwittert hatte.

Weiter führte sie aus, dieses Klimaschutzpaket sei eine Abkehr von den Pariser Klimazielen sowie unserer Zukunft. Luisa Neubauer von FFF bemerkte, es sei kein Durchbruch, ein Skandal, der Deal läge in Ambitionen und Wirksamkeit jenseits des politisch und technisch Machbaren, so werde Paris scheitern.

Union und SPD lügen sich Erfolge in die Tasche

Wir erleben erneut ein Taktieren vollmundiger Versprechen mit äußerst lächerlichen Vorschlägen, wenn z.B. ein Markus Söder davon lamentiert, die Menschen mitzunehmen durch Anreize statt durch Verbote, es sei mit Zertifikaten statt CO2-Steuer getan, mit der Erhöhung der Pendlerpauschale, der Senkung der Stromkosten, einer Abwrackprämie für alte Heizungen.

Johannes Kahrs, Sprecher des SPD-Haushaltsausschußes, hebt hervor, keine Schaufensterpolitik zu machen, sondern Maßnahmen zu beschließen, die solide finanziert wären, ohne neue Schulden aufzunehmen. Den Vogel schießt erwartungsgemäß Alice Weidel von der AfD ab, die Bürger würden gnadenlos erpresst werden per Verteuerung von Benzin, Diesel, Heizöl, Kohle und Erdgas, während Herr Lindner weiterhin meint, er sei bereit für einen nationalen Klimakonsens, aber per Abstimmung mit europäischen Partnern, statt einem Traumschloß wie bei der Energiewende.

Kritik folgt auf dem Fuße

Ganz besonders seitens Greenpeace. Dessen Geschäftsführer, Martin Kaiser, bemerkte, der GroKo würde der politische Mut fehlen, Klimaschutz suggerieren mit einem lächerlich niedrigen CO2-Preis, der Benzin und Diesel nur wenige Cent verteuere, obendrein von einer höheren Pendlerpauschale wieder aufgehoben werde. Dies bliebe weitere zehn Jahre wirkungsglos.

Sahra Wagenknecht als auch Dietmar Bartsch bezeichnen das Klimapaket als ineffektiv und unsozial, kleine und mittlere Einkommen würden belastet, hingegen Konzerne und Reiche geschont. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger kommentiert es als „halbgare Maßnahmen, Ankündigungen und Absichtserklärungen“.

Schluß mit lustig! Campact hat die richtige Antwort auf dem Fuße mit seinem Eil-Appell, „Klimakrise: Anpacken statt kapitulieren“, bis zum nächsten Klima-Streik am 29. November hat die Regierung die Möglichkeit, einen überzeugenden Klima-Plan zu erstellen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Ergangene Erfahrungen

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Dünn die Sohlen,
bei Regen naß
die Socken.
Auf dem Weg
Vorbeiblickende
im Auto hocken.

Querfeldein
Gedanken laufen frei,
durchlöchert das Kleid,
Häuserschluchten
begrenzen Licht,
nähen zu mein Leid.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Justiz öffnet Tür und Tor für Pöbeleien

Landgericht Berlin fällt Renate Künast in den Rücken

Wer schon beim NSU-Prozeß des Eindruckes sich nicht erwehren konnte, wie blind die deutsche Justiz auf dem rechten Auge agiert, der wird spätestens mit dem äußerst denkwürdigen Beschluß des Landgerichts Berlin erst recht eines Besseren belehrt. Demnach hält dieses Gericht Pöbeleien gegen Künast für zulässig.

Was für eine Farce, unfaßbar, daß ausgerechnet in diesem Land rechter Pöbel weiterhin sich hochoffiziell beleidigend in den Social Media und wo auch immer tummeln darf, ohne dafür belangt werden zu können. Ein Freifahrtschein für all diesen Haß, der obendrein bereits längst im Deutschen Bundestag sich seitens jener AfD austobt.

Die Würde des Menschen darf somit angetastet werden

Im Grunde ein eklatanter Widerspruch in sich, den das Landgericht Berlin argumentativ in Erklärungsnot bringt. Was die Richter keinesfalls umstimmt. Renate Künast hat vollkommen Recht mit ihrer Empörung, daß letztlich die Demokratie gefährdet wird mit einem solch fahrlässigen Beschluß, der einmal mehr den Rechtsextremisten sowie Rechtspopulisten den Rücken freihält, sie somit bestätigt und daher ihnen nicht Einhalt gebietet.

Man fühlt sich direkt zurückversetzt in die Zeit der 1930er Jahre, als die deutsche Gesellschaft gleichwohl den aufkommenden Nationalsozialismus gewähren ließ, eine zunehmend schweigende Mehrheit jenen Haß duldete!

Ein Fingerzeig, wohin dieses Land oder gar Europa driftet?

Man sollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, obwohl genügend Anzeichen bestehen, Sorgen machen, inwieweit hierzulande und europaweit der Neuen Rechten zu wenig Paroli geboten wird trotz etlicher Widerstände und Proteste gegen rechts. Einen wesentlichen Anteil dazu hat die Diffamierung gegen Medien, was obendrein noch jener Donald Trump zelebriert, auch in Russland herrscht eine gewisse Zäsur.

Wenn jetzt noch die deutsche Gerichtsbarkeit versagt, mag man solche Szenarien mit mulmigen Gefühlen beobachten, leidvoll hoffen, daß besonders die Politik sich mehr einmischt und entsprechend eine derartige Entwicklung untersagt. Verpaßt sie das, dürfen wir uns nicht wundern, daß jener Haß noch ganz andere Auswirkungen haben wird, was sich dann schnell im alltäglichen Zusammenleben zeigt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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See-Ende

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Nah kam es wieder,
gezoomt,
ein Staubkorn,
kleiner Punkt,
deutlich der Hafen,
die Pier,
Rufe,
vermischt
mit Möwengekreische,
Winken,
schmerzende Freude,
Heimat,
der Anker,
den ich nie
als Halt brauchte,
von Kindheit an
in deinem Signalfeuer
ich tauchte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Guantánamo-Gefangenenlager Symbol für noch mehr Terror

Trumps sture Haltung verhindert mehr Entspannung

G.W. Bushs Entscheidung zum Gafangenenlager auf der Guantanamo Bay Naval Base, einem US-Marinestützpunkt der US-Navy, als Folge der Anschläge vom 11. September 2001 rächt sich längst, wie auch Ex-Präsident Barack Obama bekundet hatte: „Die Existenz von Guantánamo habe wahrscheinlich mehr Terroristen auf der Welt geschaffen, als jemals dort inhaftiert wurden.“

Das entspricht dem Wesen des Martyriums, was somit gleichwohl für den Islam gilt. Daher letztlich ein Willkommensgeschenk für jene fanatischen Ziele, ihren Glauben rechtfertigend in Verbindung von Terror in die Welt zu tragen, all das Leid in Kauf zu nehmen. Anstatt derartige Zusammenhänge zu akzeptieren, zieht es Donald Trump vor, stur am Gefangenenlager von Guantánamo festzuhalten trotz der enormen Kosten, jeder Häftling kostete im Jahr 2018 immerhin 13 Millionen Dollar.

Kein anderer Umgang mit den Gefangenen in Sicht

So echauffierte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Gefangenenlager, hatte einen anderen Umgang mit den Gefangenen gefordert, jene Institution dürfe auf Dauer so nicht existieren. Tut sie aber seitdem. Nach wie vor sind 40 potentiell für gefährliche Terroristen erklärte Männer inhaftiert von den ursprünglich 779 seit dem Jahre 2002.

Dabei verstößt jenes äußerst umstrittene Gefangenenlager gegen Völkerrecht! Die Einstufung der Gefangenen in sogenannte unlawful combatants, welches ungesetzlichen Kombattanten (Kämpfern) entspricht, sind mit Menschenrechten und dem Völkerrecht eben nicht vereinbar. Wenigstens hatte im Juni 2004 das Oberste Gericht der USA entschieden, daß den Gefangenen die Möglichkeit angeboten werden muß, ihren Freiheitsentzug überprüfen zu lassen. Das geschah wenigstens in 327 Fällen, der Rest steht aber noch aus.

Trumps Erlaß alles andere als hilfreich

Insofern bestätigte er seine im Wahlkampf bereits angekündigte Haltung zum Guantánamo-Gefangenenlager, die von Barack Obama angeordnete Schließung machte er rückgängig. Von einem derartigen US-Präsidenten war auch nichts anderes zu erwarten, Humanismus sucht man vergeblich bei ihm.

Trotz etlicher Folter, es gab auch manche Todesfälle durch Suizid, zieht es die US-Administration vor, Guantánamo aufrecht zu erhalten. Letztlich ein Symbol für noch mehr Terror. Seitdem haben sich noch mehr Terrorzellen weltweit gebildet, die sich nicht von jenem Haftlager davon abhalten lassen. Von Abschreckung kann daher so gar keine Rede sein, viel eher von der Erschaffung neuer Martyrer, ein Ansporn, den wir alle keineswegs gutheißen können.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Terror

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Ansteckung durch Wortschleudermenschen

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Grundsätzlich lausche ich nicht. Ich verabscheue es, meine Gedanken- und Gefühlswelt mit anderer Leute Problemen, Ansichten, sogar mit deren Freuden vermischen zu lassen. Es gibt da so eine Spezies, die es direkt darauf anlegt, scheinbar unbeabsichtigt, jeden erreichbaren Menschen mit ihren Gesprächen zu umspülen. Das Wort Redeschwall ist noch eine harmlose Variante dieser Sturmflut aus wissen, ahnen, verstehen, nachempfinden, das in einer Unaufhörlichkeit durch Gehörgänge sich quetscht, in der Absicht einer Infiltration, besser einer feindlichen Übernahme, all jene Naivlinge erreichen soll, um in deren Kopf Zwietracht, Zweifel, Narreteien, Spinnereien zu entfachen.

Mit mir nicht, ich bin geimpft gegen diese unlauteren Zwangsverbrüderlichungen. Und natürlich Verschwesterlichungen. Obwohl, daß muß zugegeben werden, Männer sind weniger penetrant als Frauen in dieser Hinsicht. Dagegen sind Frauen ehrlicher, lauter, direkter, offener halt, mit weniger Hemmungen, wenn sie etwas weitervermitteln wollen, tun sie es einfach. Männer agieren versteckter, nicht hinterhältig, eher verschämt, zierlich, mit weniger Traute, außer sie sind in einer Gruppe. Möglicherweise rührt das aus Zeiten, als sie gemeinsam jagten.

Auf mich macht dieses Jagdgetue keinen Eindruck mehr, ich ignoriere diese Trophäenjäger und Jägerinnen, selbst wenn ich neben ihnen stehe. Dazu brauche ich keine Ohrstöpsel durch die Musik, oder das Gequatsche von einem Radiosender dringt. Ich stolziere ganz relaxt in meinen Gedankengarten, grabe bisweilen ein wenig, zupfe dort ein Wortkraut, gieße in aller Seelenruhe meine Satzpflänzchen und siehe da, ich erinnere mich an Geschichten, Situationen, die ich selbst gesät und gesetzt habe. Zugegeben, manchmal gelange ich auf diese Weise auch in den Keller, weil ich dort Blumentöpfe lagere, die im Gartenhaus keinen Platz oder den Winter draußen nicht überstehen würden, nicht alle sind winterfest und müssen deshalb vor Frost geschützt werden, dort befindet sich eine Sammlung von Ungehörlichkeiten, die sich bei eingenistet hatten, um größeren Schaden von mir fernzuhalten, fristen sie hier in Gläsern, Kartons ihr jämmerliches Dasein.

Öffentliche Verkehrsmittel sind regelrecht Minengebiete, sehr gefährlich, dort werden Textbomben nur so durch die Luft geschleudert oder gefischt, allerdings schon lange nicht mehr mit Netzen, seit es Smartphones gibt, plündern sie unverhohlen mit Dynamit nach Zuhörern. Zugedröhnt wird man, regelrecht eingekesselt. Dazu kommt die Abart der Mitfahrenden, die aufgeschnappten Sätze für ihre Zwecke zu benützen und sie echohaft von der hintersten Sitzreihe bis ganz vorne zum Fahrer, die gottlob darin ebenso geschult zu sein scheinen wie ich, diese Angriffe auf ihr Denken abwehren zu können. Deshalb zwinkere ich ihnen mit meinem schönsten Lächeln stets zu und ernte oftmals ein verschwörerisches Grinsen, eine Tarnung, ein Code, die nur wir verstehen, die wir diese aufdringlichen Worte nicht in unsere Gedanken fluten lassen.

Apropos lesen, ein zuweilen nützliches Instrument, kann aber den Effekt auslösen, die tatsächlichen Inhalte des Romans mit den Geschichtserzählungen der Wortschleudermenschen ineinander zu verweben.

Wegen einem einzigen infizierten Gedanken durchforste ich Bibliotheken und meine Grabungsfelder, ja, ich habe sogar Brunnenschächte ausgehoben, die gesamten Inhalte meiner Sammlungen auf den Kellerregalen durchstöbert, in der Hoffnung endlich in Erfahrung zu bringen, warum Gregor, da bin ich mir sicher, er hieß Gregor, warum Gregor seit seiner Kindheit sich weigerte, sich richtig, so wie wir alle, auf einen Stuhl zu setzen. Ich weiß, daß er sogar für die Schule von einem Professor der Psychologie ein Attest ausgestellt bekam, auf seinem Stuhl sich so zu setzen, wie es ihm möglich war, ohne in Panik zu geraten. Stets saß Gregor bei allen Sitzmöbeln, die hinten eine Lehne hatten, andersrum. Die Lehne diente ihm als Stütze für seine Arme, niemals durfte die Lehne hinter seinem Rücken sein. Breitbeinig saß er so, selbst in Restaurants, denn er führte das Attest mit sich, den der Herr Professor bereitwillig, Jahr um Jahr ausstellte.

Obwohl der Grund für das Attest hauptsächlich für den Herrn Professor darin bestand, dem Direktor der Schule, den er einst als Lehrer in Deutsch hatte, eins auszuwischen, durch seine Position entgegen der Schulregeln zu handeln und die Schule damit in die Knie zu zwingen, war ihm ein tieferes Bedürfnis, als Gregor in seinem Spleen zu unterstützen. So verwies er eindringlich darauf hin, Gregors Verhalten sei für seine Entwicklung von äußerster Wichtigkeit. In Wirklichkeit lag nach des Professors Ansicht keine Begründung vor, und er vermutete eine vorkindliche Trotzreaktion, die sich Gregor zunutze machte, um seinen Willen durchzusetzen.

Ich brauche nicht zu erwähnen, daß Gregor für gewisse Veranstaltungen seinen eigens für ihn hergestellten Vornelehnenstuhl, klappbar, mit sich führte, im Fußballstadion genauso wie bei Zugfahrten. Das Ganze geht mich eigentlich einen feuchten Kehricht an, denn ich kenne Gregor nicht. Wäre ich nicht vor etwa einem Jahr unfreiwillig, wie immer bei diesen Wortbombardements in der Straßenbahn vor einer Gruppe gesessen, als ich ein Kurzgeschichtenbuch in dem auch Erzählungen über Heirat und Hochzeiten vorkamen, die sich ständig Anekdoten hin- und herschmissen, in denen Gregors Vornelehnenstuhl und seine Sitzhaltung im Mittelpunkt standen. Genau in dem Moment als eine der Personen über Gregors Hochzeit zu erzählen begann, verließen sie unter Lachsalven die Bahn.

Weiter nicht schlimm, hätte ich das Buch noch, aber ich habe es wahrscheinlich verlegt, ausgeliehen, verloren, kann mich an den Titel nicht mehr erinnern und bezweifle zuweilen, daß es das Buch gibt, und ich mir eine Infektion damals eingefangen habe, die jetzt durch ein Stichpunktwort vor ein paar Tagen in der Straßenbahn jetzt erst richtig ausbricht.

Gerade hatte ich einen Sitzplatz ergattert, als vor mir zwei junge Damen kichernd aufstanden, ich den Satz vernahm: „Und seither hockt sie nur noch auf einem Hocker wie Gregor, sogar auf ihrer Hochzeit.“

Ehe ich meine Gedankenmaschinerie zum Sortieren des Satzes eingestellt, waren diese Geschichtenwerfer aus der Bahn gestiegen, seither wurmt es mich schrecklich, diese Ungewißheit. Gibt es Gregor, seinen Stuhl wirklich, hat er geheiratet und seine Frau saß wie er auf einem Vornelehnenstuhl, oder ist alles nur ein Hirngespinst, eine Mischung aus Realität und diesem verdammten Buch, in das ich mich flüchten wollte, um mich vor diesen Erzählschleudern zu retten?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Flexiblere Arbeitszeiten zugunsten der Ausbeutung

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Erpressung mittels fortschreitender Digitalisierung

Am besten gleich mit der Tür ins Haus fallen, alles andere dient ohnehin der Verschleierung. Ganz besonders dreist gibt sich die Lobby ausgerechnet jener Arbeitgeber, die sowieso keinerlei Probleme damit haben, Arbeitnehmer erst recht für ihre profitablen Zwecke regelrecht zu mißbrauchen.

Es beginnt mit zu niedrigen oder schlecht bezahlten Löhnen und setzt sich nunmehr fort, in dem die Staatsregierung u.a. die Höchstarbeitszeit kippen will. Zehn Stunden seien längst nicht genug im Zeitalter einer fortschreitenden Digitalisierung, so die argumentative Notwendigkeit. Was interessieren Arbeitnehmerrechte, denen sind gewerkschaftliche Errungenschaften ohnehin ein Dorn im Auge, Hauptsache der ein oder andere Euro rollt in die eigene Tasche.

Globalismus ein Garant für Raubrittertum

Das sollte man direkt wörtlich nehmen, selbst wenn die Ära der Raubritter in Märchen- und Geschichtsbüchern nur noch nachzulesen sind. Die Realität verheißt keineswegs gutes für abhängige Beschäftigte, die auch nur überleben wollen in einer Arbeitswelt vom Ritterum zu globalen Konzernen, die obendrein den Kurs der Politik bestimmen.

Dabei weiß jeder, der sich mit der Thematik intensiver auseinandersetzt, was es bedeutet, wenn Menschen zuviel abverlangt wird. Gesundheitliche Schäden sind vorprogrammiert, das Famlienleben leidet darunter, im Alter kann man dann sein Rentendasein eben nicht unbeschwert genießen. Schichtarbeit ist alles andere als gesund, ein Grund mehr, das Vorhaben der Regierung äußerst krititisch zu beäugen.

Sogenannte Flexiblität nur vorgeschoben

Denn genau damit stößt man eine Tür auf, die so gar nicht im Sinne des Arbeitsschutzes sein kann. Gleichzeitig haben dann Arbeitgeber erst recht mehr Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter zu gängeln. Was interessieren dabei Bedenken, Hauptsache Politik schafft die nowendigen Rahmenbedingungen durch gesetzliche Vorschriften.

Insofern nicht weiter verwunderlich, daß es auch der ununterbrochenen elftstündigen Ruhezeit an den Kragen gehen soll. Ausnahmen gibt es in diesem Kontext ohnehin, sie kann dabei um zwei Stunden reduziert werden. Jetzt wird aber genau jene Ausnahme als neue Möglichkeit erwogen. Daß das gesundheitliche Folgen haben kann, scheint der Politik egal zu sein. Man erinnere sich, wie jene Klientel tickt, Ursula von der Leyen hatte mal allen Ernstes vorgeschlagen, ein Bauarbeiter, der mit 55 nicht mehr hart arbeiten könne, den könnte man ja kurzerhand als Bürokraft anlernen. So simpel tickt aber Mensch mitnichten, nur daß Politiker oftmals völlig verfehlte Entscheidungen mit treffen dürfen!

Die wirtschaftspolitische Sprecherin, Annette Karl (SPD), hat durchaus recht mit ihrem Einwand, daß die Axt an den Arbeitnehmerschutz unter dem Deckmäntelchen einer notwendigen Flexibilisierung von Arbeit im Zeichen der Digitalisierung angelegt wird. Bleibt zu hoffen, daß die Sozialdemokraten nicht einknicken, weil mit Hartz IV diese Partei längst bewiesen hat, wie schnell soziale Errungenschaften abgebaut werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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