Mensch am Scheideweg seiner Existenz

pixabay.com

Ethik und Moral keine zufällige Entwicklung

Es bedarf nur ein paar simple Handgriffe, um etwas zu zerstören. Die Mittel aggressiven Potentials sind unübersehbar vielfältig von Menschen ausgeheckt und entwickelt worden, kommen folglich ohne Umschweife zum Einsatz. Die Folgen: Zerstörung in all ihren grausamen Folgen, vom Beziehungskonflikt über Familiendramen, von Stalking, Mobbing zu Amokläufen und schließlich zu Terror und Kriegen.

Auf der anderen Seite gebietet unsere über die Jahrtausende entwickelte Ethik und Moral, genau diese Eskalation zu vermeiden, den Erhalt gilt es insofern zu bewahren. Was hält unsere Gesellschaft letztlich trotzdem im Lot?

Liebe tragendes Element der Gewaltverhinderung

Wegen der ständig präsenten, latent vorhandenen Gewalt um uns herum, ganz besonders weltweit sichtbar verbreitet über die stetig zunehmenden Fernsehsender, darf man sich dennoch nicht wundern, daß immer mehr Aggressionspotential sich anreichert. Oder muß man eigentlich feststellen, daß die Augen verschlossen werden, eine Mentalität des Schweigens und Ignorierens stattfindet, weil wir Nichtgewaltbereiten und entsetzten Zuschauer schon fast ohnmächtig resignieren? Was verhindert daher dramatischeres?

Auf den Punkt gebracht: die Nächstenliebe in erster Linie. Ob wir sie nun kennen oder nicht, definieren oder es einfach sein lassen, sie ist fester Bestandteil des Homo sapiens als ein wesentlicher Aspekt der Liebe selbst, der größten Kraft im Kosmos. Ohne sie hätte der Mensch sich selbst und Mutter Erde schon längst den endgültigen Garaus gemacht. Sie darf folglich als das tragende Element der Gewaltverhinderung bezeichnet werden. Zum Vorschein kommt sie stets, wenn Zivilcourage vonnöten, wenn Gruppen sich definieren sowie zusammenhalten, im besonderen als Mittelpunkt des sozialen Zusammenlebens.

Eine ganz andere, aber gleichwohl wesentliche Säule der Verhinderung von Zerstörung kann nur der unabdingbare Drang zur schöpferischen Entfaltung bedeuten, eine Mischung aus Arterhaltung, Selbstbehauptung und berechtigter Verteidigung im Falle eines Angriffs. Gewachsenes und somit erkanntes Selbstbewußtsein im Einklang mit der Umwelt, den Mitmenschen fördert im friedlichen Zusammenleben die Harmonie, duldet eben keine Zerstörung.

Trotz Verharmlosung und Ahnungslosigkeit Entspannung mancher Deeskalation?

Keineswegs dürfen wir vor lauter Goodwill das ganze Ausmaß der Zerstörung übersehen, welches weltweit sehr viele Menschen leiden läßt. Um so wichtiger, daß man gerade unter Zuhilfenahme einer wesentlich besseren Technik viel schneller vom Ort der Geschehnisse berichten kann, wobei gleichzeitig die Medien und ihre Regierungsgewalten sehr gezielt kritisch betrachtet werden müssen, um Korruption und Verharmlosung zu entlarven und zu benennen.

Sich die Welt schönreden, um das geplagte Gewissen zu beruhigen, hilft nicht, ganz im Gegenteil, beflügelt dies die Zerstörer selbst, ihren gewaltbereiten Kurs fortzusetzen. Ein Bestandteil jener Verharmlosung stellt die Ahnungslosigkeit dar. Manchmal kann diese selbst aber auch, ähnlich wie bei einem Kind, als ein verbindendes Glied zur Entspannung, zur Deeskalation von Gewaltszenarien verhelfen.

Wer von Ihnen, liebe Leser, kennt es nicht, das gereizte Verweilen in Wartepositionen, ob im Gang irgend einer Behörde, im U-Bahnabteil oder im Wartezimmer einer Arztpraxis, urplötzlich entsteht da ein verbindliches Gelächter, breites Grinsen, ein Aufleuchten in vielen Augen, bloß weil ein Kind uns alle daran erinnert, wo wir selbst mal uns befanden, fragend, seine Grenzen auslotend, gänzlich naiv im positivsten Sinn des Wortes. Und dann? Dann sind für Momente die Gedanken beflügelt, das Eis gebrochen, der triste Alltag vergessen. Erfrischende Augenblicke des Seins, die es wert sind, Zerstörung erst gar nicht zuzulassen.

Ganz so einfach gestaltet sich dennoch das Leben selbst nicht, obwohl wir tagtäglich aufs Neue es in der Hand haben: aufbauen oder zerstören, lieben oder hassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Advertisements
Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Gebt den Rechtsradikalen keine Bühne

flickr.com/ wuestenigel/ (CC BY 2.0)

Warum Politik alternativlos sein sollte

Die Arme schmerzen beim Schreiben, mitten in der Einrichtungsphase nach ziemlich harten Umzug, immerhin raus aus einem großen Haus, rein in kleines bedeutet neben logistischen Herausforderungen, sich von manchen Dingen zu trennen, erst recht wenn gesundheitlich chronisch belastet eine physische Überwindung, um mal ein wenig persönliches eingangs zu erwähnen.

Nach dieser 19. Bundestagswahl, in der die Gehäßigkeit als Wahlsieger frohlocken darf, schon bald jene AfD im Plenarsaal des Bundestages Platz nimmt, wird nichts mehr so sein wie vorher in Deutschland. Erinnerungen an Weimar keimen bei manchen auf, obwohl ein historischer Vergleich eher fragwürdig, eine gern schnell mal dahergesagte Wiederholung der Geschichte sowieso weder der Realität gerecht wird noch den unsäglichen Opfern dieses Zweiten Weltkriegs und der Herrschaft der Nazis.

Apropos Nazis, bleiben wir doch alle mal sachlich, es gibt keine Nazis, die gehören der Vergangenheit an, die damals erwachsenen jetzt noch Lebenden sterben wortwörtlich aus, höchstens Neonazis trifft eher den Kern der Sache, gleichwohl die unter dem Sammelbegriff Neue Rechte mit einzuordnen sind. Und wenn diese AfD meint, sie würde tatsächlich real gestalten, dann sollten alle sehr genau hinschauen, was da aus der Opposition wohl verkündet wird, außer provokativen Statements darf dabei nichts anderes erwartet werden. Mit Protest hat das nichts zu tun. Politik sollte nämlich stets alternativlos sein, weil ansonsten sie sich in polemischen Grabenkämpfen verstrickt.

Zuvor eine nahezu einmütig schwache Große Koalition, jetzt ein sogenanntes Jamaika-Szenario? Dazu eine SPD, die bereits sich einen kämpferischen Pseudoanstrich verpaßt, einer Frau Nahles nimmt man diesen nicht unbedingt ab, wenn sie in einer Talkshow meint, sie müsse die Liberalen belehren, obwohl sie selbst als Arbeitsministerin in der Koalition mit der Union mehr oder weniger versagte, an der menschenverachtenden Hartz-IV-Praxis festhielt.

Was bedeutet jene neue Bühne der Rechtsradikalen, die nunmehr vier Jahre lang im Bundestag ans Rednerpult dürfen, demokratisch legitimiert, weil manch deutscher Wähler ihr auf den Leim gingen? Eine schier blauäugige Haltung in vielen Bereichen der Gesellschaft selbst bis hin zur Frankfurter Buchmesse, wobei man Buchmessen-Chef Jürgen Boss unterstellen muß, daß er sich nicht über die Tragweite der jüngsten Ereignisse im Klaren zu sein scheint. Sicher doch, gehört es zum Geschäft, sämtliche Publikationen bei Messen zu brücksichtigen, ohnehin ein schwieriger Spagat angesichts rechtsgesinnter Verlage und Autoren, aber die Zusammenarbeit mit der Polizei selbst ließ zu wünschen übrig genauso wie die mit gewissen Sicherheitskräften, die bekanntlich nicht zimperlich mit Kritikern umgehen.

Es schaut weiterhin dramatisch aus, was da auf uns zukommt. Und die Linken? Die haben es nach dieser Bundestagswahl jetzt besonders schwer, sich Gehör zu verschaffen, immerhin formiert sich just ein neoliberales Bollwerk, dem selbst die Grünen nichts entgegensetzen wollen.

Wir können zurückblicken, uns in Erinnerungen schwelgen, am Geschehenen uns erfreuen oder gar fluchend bereuen. Im Grunde mißt das Leben stets unsere Taten. Also, worauf noch warten? Carpe diem

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Gehässigkeit heißt der Wahlsieger bei der Bundestagswahl 2017

© Doris Mock-Kamm

Es wird sich nicht warm angezogen!

Vorausgesetzt ein kleines bißchen Vernunft steckt in jedem Menschen, sollte man davon ausgehen können, daß über 10% der an der Wahl beteiligten Wähler sich bewußt dafür entschieden haben, eine rassistische, rechtsradikale Partei in den Bundestag zu wählen. Es ist nicht der erste Beweis, sich gegen eine Demokratie zu stellen, wenn Herr Gauland verlauten läßt, daß er „sie jagen wird“, „unser Land und unser Volk zurückholen“ will und, daß man sich „warm anziehen“ soll.

Wer in Vollbewußtsein seiner Sinne diese Drohung als kleines Geplänkel abtut, steht auf der gleichen Stufe und vertritt dieselbe Einstellung. Die Androhung einer Jagd auf wen oder was auch immer gleicht dem Konsens, der Abschuß der Vogelfreien ist stattgegeben. Hier handelt es sich nicht um ein versehentliches kaputtgeschossenes Fenster während eines Ballspiels, hier handelt es sich um ein absichtliches Wurfgeschoß mit dem Ziel einer Zerstörung. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen „Jagdaufruf“, etwa in dem Sinne, das habe ich so nicht gewollt oder ich bin kein Nazi, aber…

„Unser Land und unser Volk zurückholen“ verdeutlicht in diesem Ausspruch sein diktatorisches Verhalten gegenüber anderen. Sinngemäß kann dieser Satz damit verglichen werden, sich sein Eigentum wieder zu beschaffen. Weder das Volk noch das Land sind abhandengekommen, denn die Landesgrenzen sind festgelegt und die Bevölkerung verweilt innerhalb dieser Linie. Wer also ein bestehendes Land mitsamt seinen Einwohnern für sich oder wen auch immer zurückholen möchte, agiert aus egoistischen, narzißtischen Beweggründen. Denn es sollte der Dümmste wissen, daß Land genauso wie Volk aus Vielfältigkeit besteht und nicht aus einer an und für sich geschlossenen Einheit. Es sei denn, diese Einheit wird mittels Angst, Unterdrückung, Einschüchterung zu einer mundtoten „Masse“. Jeder, der sich nicht wehrt, zurückgeholt zu werden, stimmt daher einer diktatorischen Regierung zu.

„Sich warm anziehen“ erinnert an die Geschichte von Sonne und Wind.

Sonne und Wind

„Einst stritten sich Sonne und Wind: wer von ihnen beiden der Stärkere sei? und man ward einig: derjenige solle dafür gelten, der einen Wanderer, den sie eben vor sich sahen, am ersten nöthigen würde, seinen Mantel abzulegen.

Sogleich begann der Wind zu stürmen; Regen und Hagelschauer unterstützten ihn. Der arme Wanderer jammerte und zagte; aber immer fester und fester wickelte er sich in seinen Mantel ein, und setzte seinen Weg fort, so gut er konnte.

Jetzt kam die Reihe an die Sonne. Senkrecht und kraftvoll ließ sie ihre Strahlen herabfallen. Himmel und Erde wurden heiter; die Lüfte erwärmten sich. Der Wanderer vermochte nicht länger den Mantel auf seinen Schultern zu erdulden. Er warf ihn ab und erquickte sich im Schatten eines Baumes, indes die Sonne sich ihres Sieges erfreute.

Zehnmal sicherer wirken Milde und Freundlichkeit, als Ungestüm und Strenge.“ August Gottlieb Meißner (Wikipedia)

In der französischen Version endet die Geschichte mit: „Mehr bewirkt Sanftheit als Gewalt.“ Und in der englischen Version ist zu lesen: „Überzeugung ist besser als Kraft.“ (Wikipedia)

Jeder, der möchte, daß man sich „warm anziehen“ soll, weil gleich ein starker Wind wehen wird, der alles um sich herum verwüstet, ist ein gehässiger Mensch, denn er hat nicht im Sinn, etwas zu schützen. Wer solch eine Situation heraufbeschwört, beabsichtigt, einen Sturm zu säen.

Man kann weder die Partei, die sich alternativ nennt noch die Menschen, die diese in den Bundestag gewählt haben, als dumm oder als klug bezeichnen. Sie sind weder das eine noch das andere, sie sind schlichtweg gehässig. Gehässig jedem und allen gegenüber. Und es ist nicht erstaunlich, daß niemand während dieser wenigen Sätze Herrn Gauland zurechtgewiesen hat, denn sie alle, die die der Partei vorstehen und deren Wähler wollen die Jagd. Die Jagd nach einem Land, deren Bevölkerung sich ausnahmslos unterwirft, um nicht als Freiwild zu gelten.

Ich ziehe mich nicht warm an, ich vermumme nicht mein Gesicht, ich zeige Gesicht. Ich bin nicht euer Land, noch euer Volk, auch lasse ich mich nicht jagen, bin nicht auf der Flucht, ich heiße

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Manchmal fast schon vorbei

https://pixabay.com/de/einsam-bank-lea-park-allein-1715994/

pixabay.com

Manchmal und irgendwie,
fast schon ohnegleichen,
gedankenverloren
gingst du auf die Knie,
meinst, es würde reichen,
kämst davon ganz ungeschoren.

Welch Irrtum du verfallen,
weil Argwohn ihr Sinn,
Profitgedanken das Ziel.
Sektkorken erneut knallen,
Soziales weg, einfach dahin,
ausgerissen mit Stumpf und Stil.

Manchmal und überhaupt,
fast schon der Ohnmacht
äußerst nah,
obwohl ans Gute geglaubt,
wurde bösartiges entfacht,
wie schon so oft geschah.

Welch ständige Wiederholung
Mensch sich gefallen läßt,
opfervoll, fast widerstandslos.
Keine Revolte kommt in Schwung,
auch nicht im Jetzt,
um zu reinigen rigoros.

Manchmal und zu guter Letzt,
fast schon als es zu spät,
erwachen klare Geister.
Verbannen, was aufhetzt,
damit nicht alles durcheinandergerät.
Stoppt Haß, bevor dieser immer dreister!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Bundestagswahl: Nicht die Russen kommen, sondern die Rassisten

https://www.flickr.com/photos/149561324@N03/37254474065/sizes/z/

flickr.com/ marcoverch/ (CC BY 2.0)

12,6 Prozent Protestwähler ohne Sinn und Verstand

Wenn die Herren Gauland und Höcke frohlocken, weil sich genügend Wähler in diesem Deutschland fanden, die ihnen auf den Leim gingen, dann darf man nicht nur, dann muß man sogar den Abend nach der 19. Bundestagswahl, diesen 24. September 2017, als schwarzen Tag werten, der politischen Korrektheit willen gar als blaunen.

Obwohl genügend Argumente jene AfD als rechtsradikale Partei entlarven, meinten 12,6 Prozent der Protestwähler, sie in den Wind schießen zu müssen, Hauptsache den anderen Parteien habe man es mal so richtig gezeigt. Konzepte nahezu gen Null, außer harte Kante gegen Flüchtlinge, den Sozialstaat am besten gleich abschaffen, Frauen an Herd und Heim schicken. Ein Rückschritt sondergleichen, manch hysterische Befürchtungen wähnen die Blauen in einer Koalition mit der Union. Das wäre mehr als fatal und daher unrealistisch.

SPD genau dort, wo sie hingehört

In die Opposition gleich als stärkste Partei trotz etlicher Verluste. Der große Wahlverlierer, die Union, kann ihren Merkel-Bonus nicht ausspielen, muß den Weg in die Jamaika-Koalition wagen, will sie das Ruder beim Regieren in scheinbar sicheres Fahrwasser führen. Wieso scheinbar? Weil dies sowieso trügerisch angesichts weltpolitischer Herausforderungen, die alles andere als rosig zu bezeichnen wären, denken wir an Trump, Kim Jong-un etc.

Nachdem Die Linke sich wochenlang im Mittel der Prognosen als drittstärkste Partei behaupten konnte, erreichte äußerst ernüchternd und enttäuschend sie knappe 9,2 Prozent trotz Stimmengewinn von 0,6% gegenüber 2013. Die Grünen sind Schlußlicht mit nur 8,9%. Neben jener AfD dürfen die Liberalen sich glücklich schätzen, immerhin verdoppelten sie nicht nur ihr desaströses Ergebnis der letzten Bundestagwahl, sondern erreichten gar 10,7%. Wegen des jungen Herrn Lindner? Unwahrscheinlich.

Viel Tricksereien und Geld im Spiel – Wahlbetrug ein dehnbarer Begriff

Man stelle sich mal kurz vor, jene AfD hätte ein einstelliges Ergebnis erzielt. Der Aufschrei im Lande wäre riesengroß gewesen. Dank freundlicher Unterstützung aus Russland nimmt man das jetztige Resultat doch gern an, was Bot-Netzwerke ohnehin schon lange erfolgreich in den Social-Media anrichten, diente offensichtlich ebenso der Wahlmanipulation, ganz im Stil bösartiger Gerüchte, Erinnerungsvermögen beim Wähler mögen eine Achterbahnfahrt nach der anderen erleben, völlig egal, es zählt die Strategie, die sichtbar aufging.

Mit einem Blick ins AfD-Schwarzbuch sollte ohnehin jedem klar sein, wie simpel Geldflüsse willigen Tricksereien Vorschub leisten, die heftige Wahlwerbung jener AfD deutet drauf hin genauso wie das ominöse Comeback der FDP. Gewisse Herrschaften hätten es gern so, schließlich lockt die Fortsetzung des neoliberalen Wirschaftsdiktats, billige Arbeitskräfte lassen sich mit Flüchtlingsströmen erst recht clever lenken, die „da unten“ gegeneinander ausspielen, während die „da oben“ es sich sehr gut gehen lassen. Ablenkung so weit das Auge reicht, der „Wahltrottel“ merkt’s sowieso nicht.

Ein bedenkliches Fazit

Einer Fraktion wie die Union, die gleich einen Stimmenverlust von 8,6% erleidet, kann man daher keinen Sieg bescheinigen, selbst wenn Angela Merkel es mit der Jamaika-Koalition probieren möchte, eine Minderheitsregierung ausschließt. Schwierige Koalitionsverhandlungen stehen bevor. Aber wir wissen ja, die Grünen zeigen sich kompromißbereit seit Rot-Grün, Hartz IV und Kosovoeinsatz stimmten sie ohne weiteres zu. Politik bleibt ein schmutziges Geschäft, notfalls stehen Neuwahlen an, wobei dann die Rechtsradikalen sehr wahrscheinlich eher zulegen könnten.

Ein Blick ins Ausland dürfte erschrockene Gesichter bescheinigen, nach dieser Nazi-Vergangenheit nimmt eine AfD im Deutschen Bundestag Platz. Möge eine Legislaturperiode ausreichen, um sie sachlich argumentativ zu zerlegen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Jedes Kreuz gegen die Neue Rechte

https://pixabay.com/de/bundestagswahl-2017-demokratie-2680456/

pixabay.com

Wählen gehen,
endlich verstehen,
was Demokratie bedeutet.
Rassisten haben vieles eingeläutet,
um Eure Meinung zu verdrehen.
laßt ihren Einzug ins Parlament nicht geschehen.

Am Sonntag die Bundestagswahl
empfinden manche als Qual,
doch die Politik bestimmt unser Los.
Kleingeistige Neonazis sind rigoros.
Auferstanden aus tiefstem Tal
wittern sie ihre Chance wieder einmal.

Wählen gehen,
Hürden bestehen,
bevor die Neue Rechte regiert.
Auf das sie viele Stimmen verliert!
Wer schweigt, – da hilft kein Flehen-,
hat’s vergeigt, fördert Haß säen.

Am Sonntag die Bundestagswahl
alles andere als egal.
Über siebzig Jahre Frieden etwa zu lang?
Mit Nationalisten ist der Krieg erst recht dran!
Jene Rechtsradikale sind keineswegs sozial,
ihre Wiedergeburt ein politischer Skandal.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Nation braucht keine Stalker

https://pixabay.com/de/b%C3%A4ume-land-landschaft-natur-saison-1913396/

pixabay.com

Sie beachtet mich einfach nicht,
dabei schreib ich Gedicht um Gedicht,
preise ihre wunderbaren idealen Vorzüge,
schwöre, daß ich sie nie, niemals betrüge.
Kämpfe um sie bei jedem Wortgefecht.
Mache mich traditionell für sie zurecht.

Lese in allen Spuren der Vergangenheit
ihre unverrückbare Selbstverliebtheit,
die ihr wunderbar zu Gesichte steht.
Warum nur lächelt sie über mich, unentwegt.
Ich verteidige ihren angestammten Platz,
den alle Vorfahren für sie geschafft.

Keiner kann mich eines Besseren belehren,
nur sie erreicht mein Herz, mein Streben.
In ihrem Glanze erstrahl´ ich groß und kräftig,
tu alles, damit sie unsterblich bleibt, mächtig.
Trotz alledem, sie reagiert einfach nicht.
Nation, für dich werd´ ich sogar zum Bösewicht.

Ich sink hinab in die dunkelsten Abgründe,
jeden Zweifler, Nörgler an dir ich finde.
Wir sind aus demselben Holz geschnitzt,
dein Geziere eine Tugend, die dich schützt
vor all den Ignoranten, jetzt verstehe ich.
Deine Göttlichkeit lehre ich sie, ich liebe dich.

Als sie diesen Text las, die Nation,
dachte sie an Flucht, danach an Kapitulation.
Doch dann erinnerte sie sich,
auf diese Weise vertreibt man Verehrer nicht.
Persönliche Vielfältigkeit klar definieren,
wahre Liebe braucht niemand hofieren.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Vom Glauben abkommen eine Chance der Selbstfindung?

https://pixabay.com/de/leiter-jenseits-wolken-himmel-gott-2713351/

pixabay.com

Religionen im Widerspruch zur Realität

„Sorglos heile Welt, die sich tagtäglich hier präsentiert, geheiligt seien deine Mittel und Wege, verzeih all die Ungereimtheiten, die den Menschen Leid zugefügt haben, im Namen des Herrn vergib uns all unsere Sünden, Amen.“ Keine Sorge, Sie befinden sich weder in der Bibelstunde noch bei einem Gebet, sondern so ähnlich spielen sich millionenfach gebetsartige Glaubensbekenntnisse ab, die sicherlich auch ganz andere Ausdrucksformen der Um- und Beschreibung anwenden, aber allesamt einem Ziel folgen: der Doktrin des jeweiligen Glaubens.

Es ist noch nicht allzu lange her, daß hierzulande im wesentlichen die Katholische und die Evangelische Kirche unsere Gesellschaft bestimmend gestalteten, andere Religionen bildeten eher die Ausnahme gemessen an den Zahlen ihrer Mitglieder. Hat vor allem die westlich orientierte, industrielle Welt sich trotz vieler Modeströmungen und intensiver Hinterfragungen gänzlich vom Korsett der großen christlichen Glaubensbekenntnisse insoweit befreien können, wesentlich toleranter Andersgläubigen sich gegenüber zu verhalten?

Toleranz scheitert oftmals an der Doktrin mancher Religion

Man sollte sich jede Gesellschaft als ein riesengroßes Gebilde zigfacher Gruppen vorstellen, wobei die Schnittmengen durchaus vielfach vorhanden sind, wer noch weiß, wie sich das in der Mathematik mit der Mengenlehre graphisch dargestellt verhält. Kompliziert wird es, wenn z.B. Vater Moslem und Mutter Christin sind, Tochter zum jüdischen Glauben fand und nunmehr sich in einen überzeugten Punk verliebt, der sich als Atheist fühlt mit einer gewissen Sympathie zum Buddhismus.

Insofern Schnittmengen und Vorurteile, die bewältigt werden wollen, durchaus funktionieren könnten, wenn denn deren Familien-, Freundes- und Bekanntenkreise mitspielen würden. Der Konjunktiv verrät, daß die Ausnahme in der Wirklichkeit äußerst selten toleriert wird.

Was schon sämtliche Philosophen ebenso beschäftigte, die Theologen muß man außen vor lassen, weil sie viel zu engstirnig sich nur innerhalb ihrer religiösen Zugehörigkeit bewegen, bis hin zu Literaten und anderen Künstlern, die Befreiung unserer Glaubensfesseln im Gleichschritt mit dem jeweiligen Zeitgeist zu meistern, vermag bis heute auf den ersten Blick als überwunden gelten, bei genauerer Betrachtung verhält sich dies wesentlich differenzierter bis hin zu gefährlich fanatischen Formen. Nein, die Rede ist nicht gleich vom Islamismus, der ganz besonders seit 09/11 in den Fokus scharfer Beobachtung rückt, sondern mitten unter uns vermehren sich die Reibungsflächen ziemlich unterschiedlicher Religionsgemeinschaften, um den gesellschaftlichen Frieden empfindlich zu stören.

Immer noch Glaubenskriege in den Köpfen der Menschen?

Na klar doch, Kreuzzüge sind Geschichte, so auch die engmaschig verzweigten Machtkämpfe zwischen den alten Königshäusern und den Kirchen, aber übriggeblieben sind die nicht überwundenen gegenseitigen Dogmen und Abgrenzungen der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften. Solange ein friedliches Miteinander auch tatsächlich praktiziert wird, und dafür gibt es etliche positive Beispiele, die im Großen und Ganzen solche Gesellschaften auszeichnen, herrscht im Alltag eine gewisse Toleranz.

Gleichwohl schwelt dabei einiges, bricht manchmal punktuell aus bis hin zu offenem Schlagabtausch im wahrsten Sinn des Wortes. Mal ganz abgesehen von zunehmender Islamophobie oder treffender bezeichnet als antimuslimischer Rassismus, dürfen wir nicht all die anderen Glaubensgemeinschaften unterschätzen, die für Unmut und Differenzen in unserer Gesellschaft sorgen. Waren es früher die als penetrant empfundenen Zeugen Jehovas, weil sie von Haus zu Haus zogen, um den „ewigen Weltuntergang“ zu prophezeien, muß man jetzt manche Ortsteile als gewöhnlicher Christ oder Nichtgläubiger am besten meiden.

Und was im Kleinen hierzulande die Gemüter bewegt, müssen wir erst recht weltweit beobachten. Die Konfliktherde steigern sich bis hin zu Kriegen, bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen oder Terror. Eines der empfindlichsten und zugleich auch sich stetig zuspitzenden Regionen ist weiterhin der Nahe Osten. Gerade dort treffen viele Weltreligionen aufeinander, wobei im besonderen die Rüstungsindustrien davon profitieren und entsprechend hoch die Nachfrage nach Waffen sich gestaltet.

Die verbale Auseinandersetzung, das Analysieren, Verarbeiten und neugierige Erforschen und Entdecken der unterschiedlichen Glaubensrichtungen bis hin zu Sekten, um auch mal dieses inzwischen verpönte Wort zu benutzen, denken wir nur an die äußerst fragwürdigen Scientologen, zeigt vordergründig zumindest die geistige Reife zur Auseinandersetzung, zumal immer mehr Menschen sich gänzlich vom Glauben abwenden, aber parallel dazu eine Instrumentalisierung stattfindet. Von Aufeinanderzugehen kann folglich nicht die Rede sein. Glaubenskriege haben nach wie vor einen schrecklich hohen Stellenwert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Helena von gegenüber

https://pixabay.com/de/dach-fenster-dachfenster-776314/

pixabay.com

Hans-Peter entschloß sich, spontan seine Patentante Annelie zu besuchen. Ein bißchen gelogen ist an dem Wort spontan die Tatsache, dieser Besuch ist nach Aussagen seiner Mutter längst überfällig, sie wäre es leid, ihn ständig daran erinnern zu müssen, er sei gewiß inzwischen alt genug, um zu wissen, wie wichtig für Tante Annelie der Kontakt sei und wie sehnsüchtig sie darauf warte, ihn persönlich in die Arme zu nehmen, und sie verstehe überhaupt nicht, warum er, obwohl er inzwischen schon mehrere Wochen in Berlin leben würde, nicht einmal Annelie besucht hätte. Du mußt ja nicht gleich den ganzen Tag bei ihr verbringen, hast du völlig vergessen, wie sehr du ihr am Herzen liegst, Hans-Peter?

Er war mit der U-Bahn unterwegs, ihm war die Decke in seiner kleinen 2-Zimmer-Wohnung auf den Kopf gefallen, nachdem er den morgendlichen Aufstehrhythmus, um zur Uni zu fahren, so lange hinaus gezögert hatte, bis er dem Wunsch verfiel, eine Katastrophe möge ihn aus dem Bett katapultieren. Erst als er registrierte, welch Unsinn da soeben durch seinen Kopf flatterte, weil er tatsächlich begann, die unterschiedlichsten Katastrophen bildlich vor sich zu sehen, Meteoriteneinschlag, Fliegergeschwader, die nur sein Haus zum Ziel hatten, Wassermassen, die bis zum zweiten Stockwerk alles umfluteten, Erdbeben, das zielstrebig ein Hochhaus nach dem anderen einstürzen ließ, wälzte er sich tastend ins Bad. Es schien, als ob selbst das kalte Wasser keinen besonderen umwerfenden Aufwacheindruck auf seinem Gesicht hinterließ und schon gar nicht seine fiktiven Vorstellungen wegwischen konnte. Starker Kaffee sollte sein Gemüt wieder zum Vorschein bringen, denn er selbst, Freunde, Bekannte, eher fremde Personen, die ihn nicht gut genug kannten, um sonderlich viel über ihn zu wissen, attestierten ihm eine Seelenruhe, die kein Sturm umwerfen könnte.

Tante Annelie, bei der er über Jahre ein und aus ging, weil sie nebenan wohnte und die Schwester seiner Mutter war, begann irgendwann nach jeder noch so kleinen Aufforderung, etwas zu tun, daran zu denken, immer ein „hurry up“ zuzusetzen. „Hurry up“ fanden dann seine Familie, Freunde so unsäglich witzig, daß nur noch in seltenen Fällen sein richtiger Name genannt wurde. Nicht daß sie ihn Hurry up riefen, so weit ging ihre Hänselei nicht, auch das „up“ verschwand, etwas später, das eine Weile als „ab“ verwandt wurde, zurück blieb der Name Harry. Aus Hans-Peter wurde Harry, und Harry blieb ihm durch die gesamte Kinder- und Jugendzeit, so daß er manchmal glaubte zu meinen, seinen wirklichen Taufnamen nicht mehr zu kennen. Seine Unterschrift hat er mit vielen Übungen so ausgefeilt, daß wer wollte, Hans-Peter las, wer nicht, Harry entzifferte. Das war unwahrscheinlich praktisch bei behördlichen Angelegenheiten.

Die Flucht aus seiner Wohnung führte ihn in den Botanischen Garten, dort erhoffte er sich Ablenkung zu Genüge, würden die Pflanzen nicht helfen, so würde er sich den Zoo einverleiben. Den Botanischen Garten hat er im Stechschritt durchmarschiert, selbst die mit Wärme ihn umfangenden Gewächshäuser konnten ihn nicht bewegen, langsamer zu werden. Der Zoo sollte nun also dafür sorgen, wieder in seine alte Gangart zu treten, auch seine wirren Gedanken zu klären, die in Spuren immer noch damit beschäftigt waren, die Verwüstungen aufzuräumen. Die U-Bahn war nur mäßig besetzt, trotzdem blieb er direkt hinter den Eingangstüren stehen, möglicherweise erhoffte er sich dadurch einen klareren Überblick. Als die Durchsage der nächsten Station mitgeteilt wurde und kaum die Öffnung der Schiebetüren breit genug durchzugehen, stieg er aus, sein Ziel Tante Annelie.

Im ersten Moment war es ihm, als erkenne sie ihn nicht, fürchtete, seine wirren Gedankenwelten wären auf seiner Stirn deutlich abzulesen, als sie ihn herzlich an sich drückte. Sie war nicht mehr gut zu Fuß, nach dem Unfall, bei dem ihr Mann starb und sie selbst schwer verletzt wochenlang in Klinken und Rehabilitationscentren aufgepäppelt wurde. Ihre Kinder erledigten für sie sämtliche kleinere und größeren Besorgungen, in der Wohnung bewerkstelligte sie mit einem Krückstock, an schlimmen Tagen mit einer Art Rollator den Haushalt, außerhalb war sie mit ihrem Rollstuhl unterwegs, den sie „hurry up“ nannte, wie sie ihrem Neffen erklärte, nachdem sie ihn durch den für sie befremdlich wirkenden Bart, oha, ein Hipster in der Familie, erkannt hatte.

Das großzügig geschnittene Wohnzimmer hatte einen offenen Erker, mit umlaufenden Sitzmöbeln, die geradezu einluden, sich an den runden Tisch zu setzen. Ihre vielen Fragen, das stetige amüsierte Lächeln, wenn er antwortete, ließen ihn immer tiefer in die Polster rutschen, er empfand dieses vermeintliche Einsinken als den Rettungsring für seinen Tiefgang der Gefühle und Gedanken. Dies selige Empfinden geriet ab und an in Bedrängnis, weil er aus dem gegenüberliegenden Haus, genauer hinter dem Dachfenster eine junge Frau stehen sah, die ihren Kopf, nach rechts, nach links, hinunter in den Vorgarten, hoch in den Himmel streckte, aber immer nur dann, wenn er nicht hinübersah. Er wußte, sie war da, er wußte, sie vollführte ständig die gleichen Bewegungen und er wußte, dies obere Dachfenster kann keine Wohnung sein, dies war lediglich ein Fenster eines Dachbodens.

„Du siehst sie auch? Das ist Helena, war sie nicht wunderschön! Als wir damals hier einzogen, konnte ich mir nicht erklären, warum ich ständig das Gefühl hatte, in dem Haus gegenüber würde jemand auf dem Dachboden leben. Helena lebte mit ihren Eltern und Geschwistern im oberen Stockwerk, sie war wohl ein Papakind und stand oben am Fenster, um auf ihren Vater zu warten, der endlich aus der Kanzlei nach Hause kommen sollte, damit noch genügend Zeit vorhanden wäre, um sie mit seinen Kindern zu verbringen, bis es Schlafenszeit war. Irgendwann kam der Vater nicht mehr nachhause, er wurde ohne Benennung einer Anklage verhaftet. Alle Bemühungen der Familie und ihr wohlgesinnten Freunden, ihn aus der Haft freizubekommen, scheiterten. Helena muß Stunden dort hinter dem Dachbodenfenster verbracht haben, um Ausschau zu halten, wenn diese Blicke immer noch die Kraft haben, andere Menschen zu erreichen, nur ihren innig geliebten Vater nicht. Die Familie floh, zuerst nach Amerika, später nach Israel. Das Schicksal des Vaters ist bis heute nicht geklärt, vermutlich haben sie ihn zu Tode gefoltert, das Ganze vertuscht. Es gibt keinen Nachweis, daß er in einem Konzentrationslager umgekommen ist, nirgends taucht sein Name auf. Helena hieß in Wirklichkeit Rena, sie kam in den 60iger Jahren in ihre Geburtsstadt zurück, kaufte ihr Elternhaus, zog aber niemals mehr ein. Sie überschrieb das Haus einer Erbengemeinschaft und einer Stiftung zu gleichen Teilen, die es in ihrem Sinne weiterführen. Es dient Familien als Zufluchtsort, wenn sie sich in Zeugenschutzprogrammen befinden oder auf Grund was auch immer, Schutz benötigen. Guck nicht so, das ist wahr. Nur der Name Helena ist von mir ausgedacht.“

„Warum nennst du sie Helena?“

„Harry, lange dachte ich, dies ist alles nur Einbildung, nach Günthers Tod war ich trotz der Fürsorge von Ulrike und Max so oft und viel alleine, der Blick von Helena half mir, mich zu erinnern, Günther kommt nicht wieder, niemals mehr. Ich wollte nicht Helena sein, die nur noch Ausschau hielt nach einem Stück Leben, das für immer verloren war. Helena nannte ich sie, weil mir dieses Gefühl der Wehmut, der Trauer, der Hoffnung, der Liebe passend schien, meinen Gram etwas Gutes Schönes abzuringen. Helena half mir, mich zu retten, noch bevor ich wußte, wer sie war. Oh, das ist sicher Walter, er wohnt seit einigen Wochen gegenüber, machst du ihm bitte auf, Harry? Und was hältst du davon, mit uns gemeinsam eine Runde spazieren zu gehen, auf dem Uferweg entlang des Wannsees kann man nicht nur das Wasser an das Ufer plätschern hören, er eignet sich auch bestens dafür, wirre Gedanken aus dem Kopf zu spülen. Na los, mach schon, hurry up!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Frankreich: Das Land der „Faulenzer“ empört sich

https://www.flickr.com/photos/europeancouncil_meetings/34744398744/sizes/z/

flickr.com/ Euopean Council/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Macrons unbeholfener Job als Präsident

Manche mögen ihm wohlgesonnen sein, Emmanuel Macron, dem jungen Präsidenten, der es tatsächlich schaffte, Marine Le Pen in die Wüste zu schicken, mit eindeutiger Mehrheit in den Élysée-Palast einzog. Daß dessen absolute Mehrheit vor schwierigen Herausforderungen stehen würde, war absehbar, zumal ein wirtschaftlich neoliberaler Kurs genau das auch von ihm verlangt.

Schon mehren sich die Stimmen, die ihre Befürchtungen zum Kurs der En Marche als bestätigt sehen, obendrein ein Satz von Macron zurecht besonders sauer aufstößt, in dem er bekundet hatte, er werde von Faulenzern, Zynikern und Extremisten nicht zurückweichen und sein Reformprojekt nicht zurückziehen. Nun „sind die Faulenzer raus“, protestieren gegen die bevorstehende Arbeitsrechtsreform.

Parallelen zur Agenda 2010

Was François Hollande nicht gelingen sollte, vermag der Newcomer Macron mir nichts dir nichts durchboxen, eine Arbeitsrechtsreform, die fatal an die Weichen zur Hartz-IV-Gesetzgebung erinnern. Jenem Wirtschaftskurs, importiert aus den USA, der Ami hat’s mal wieder vorgemacht, initiiert mittels Agenda 2010 ausgerechnet von einer SPD unter Herrn Schröder, das Tor zum Niedrig- und Dumpinglohnsektor weit aufstoßend? Heilsbringer für die oberen Zehntausend, Knebelverträge und staatliche Gängelei fürs malochende Volk, Hauptsache die Pfründe jener arroganten Klientel sind gesichert?

Auch ein Emmunel Macron funktioniert lediglich wie ein aufgezogenes Uhrwerk, dem er schnurstracks folgt, während hierzulande gleichwohl die „Suche nach sozialer Gerechtigkeit“ selbst im Bundestagswahlkampf sich erneut als Trugschluß bestätigt. Sie dient einer Augenauswischerei, in Wirklichkeit bestimmt das Wirtschaftsdikat der Großkonzerne soziale Belange und Abhängigkeiten.

Der Kapitalismus stößt nicht nur an seine Grenzen

Er bricht längst zusammen, nur daß ganz besonders neoliberale Politik eisern an ihm festhält, Das dürfen wir in den USA genauso beobachten wie im deutschen Wahlkampf, eine FDP darf bereits wieder über Koalitionen sinieren, bis hin nach Frankreich selbst. Wer als zweitgrößte europäische Wirtschaftsnation mitreden will, hat sich dem weltweiten Wirtschaftsdiktat unterzuordnen. Das gilt somit auch für Macron, der seine Rolle unbedingt brillant umsetzen wird: rücksichtslos und ohne jedwede Gewissensbisse. Wer keine Armut kennt, stets hofiert wurde, für den gibt es schlichtweg keine sozialen Belastungen.

Erneut zeigt sich der wahre Kern des Problems: Raubtierkapitalismus ist per se zerstörerisch, setzt nicht nur seine Ellenbogen zu Lasten aller Benachteiligten ein, sondern schützt Gewinner, Verlierer müssen auf der Strecke bleiben. Pretty Woman war gestern, heute herrscht der Ausverkauf letzter Bestände, morgen schon mögen radikale Systeme ihn per Gewalt erst recht festigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen