Nächstenliebe das Zauberwort

Da sagt so einer,
er würde die Werte
verraten,
verraten, welch ein Wort,
wenn seine Partei
wär sozialer.

Da sagt so einer,
wie erklär ich dies dem Kind,
verraten,
verraten, welch ein Wort,
wenn es sein Fahrrad
verschenken will.

Da sagt so einer,
die Mitte sind wir,
verraten,
verraten, welch ein Wort,
Egomanie verkauft
als Demokratie.

Da sagt so einer,
wir sind mehr,
verraten,
verraten, welch ein Wort,
Altruismus stärkt
das Gemeinwohl.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Hamburg bestätigt rot-grünes Regierungsbündnis

Vier Parteien lassen Federn, zwei gewinnen

Manche Schlagzeile in den Medien muß man mitnichten verstehen oder gar nachvollziehen können. Erst hat die SPD ein Peter-Problem,  verkündete T-Online gestern Abend, die Sozialdemokraten haben die Wahl in Hamburg deutlich gewonnen. Sicherlich gewinnt eine Partei mit 39 Prozent, allerdings hat die SPD trotzdem ein Minus von 6,6%.

Das bedeutet ein Stimmenverlust, genauso wie die CDU, die ein Minus von 4,7% erzielt, nur bei 11,2 Prozent liegt, während die FDP gerade noch im Parlament Platz nehmen darf mit 5 Prozent. Die rechtsradikale AfD bekommt einen Dämpfer mit einem Minus von 0,8%, erhält allerdings einen Sitz mehr als die Liberalen.

Die Grünen dürfen mit Fug und Recht als herausragende Siegerpartei sich bezeichnen mit einem Plus von 11,9%, einem Gesamtergebnis von 24,2 Prozent, was nahezu einer Verdoppelung entspricht, während auch Die Linke an Stimmen hinzugewinnt mit 9,1 Prozent im Ergebnis.

Hamburgs letztmaliger Test vorm Superwahljahr 2021

Im nächsten Jahr stehen Wahlen in sechs Bundesländern sowie die Kommunalwahlen in Niedersachsen an, bevor die planmäßige 20. Bundestagswahl im Herbst stattfindet. Immer vorausgesetzt, die derzeitige Große Koalition bleibt bestehen und keine Neuwahlen ändern jenes Szenarium.

Politik unterliegt dennoch manch Stimmungsbarometern. Eine Zeitlang konnten die Grünen auf Augenhöhe selbst beim Bund mit der Union konkurrieren, davon profitieren auch zur Hamburger Bürgerschaftswahl. Trotzdem erfolgten keine eindeutigen Denkzettel nach dem Thüringer Desaster, weiterhin dürfen die Liberalen und Rechtsradikalen im Plenum sich positionieren. Über zehn Prozent der Wählerschaft schenkt den beiden Parteien ihr Vertrauen.

Eine höhere Wahlbeteiligung hat wohl nicht ausgereicht

Um entsprechend Rückgrat zu zeigen in der Hansestadt. Welch bedauerliches Signal, erst recht nach letztmaligem rechten Terror in Hanau und etlichen Diskussionen, Demonstrationen und Aufrufen, sich gegen jenen Haß zu solidarisieren.

Einerseits macht es trotzdem Mut, daß es viel mehr Menschen gibt, die eben nicht den Rechtsradikalen das Feld überlassen wollen, andererseits zögert Politik nach wie vor, was auch auf manche Polizeidienststellen abfärbt, jenen rechtsradikalen Konsens zu dulden. Da bedarf es noch viel Aufklärung und Anmahnung, das Grundgesetz einzuhalten, unsere Demokratie zu würdigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

+++ Update: Nach jüngsten Erkenntnissen könnte es durchaus passieren, daß die FDP doch an der 5-Prozent-Hürde aufgrund einer Auszählungspanne scheitert, wie der Stern berichtet. +++

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Wie das Cello bewahren

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Zu seiner Liebsten will er fahr‘n
mit dem Cello in der Bahn,
um ihr ein Ständchen zu bringen,
von seiner Liebe zu ihr zu singen.

In dem Moment als er wollte gehen
grelles Licht am Fenster, er hat gesehen,
könnte ein Blitz das gewesen sein,
dann wär‘s aus mit dem Stelldichein.

Was mach ich nur, wenn’s regnet,
ich dachte, mein Glück wär abgesegnet,
wie schütz‘ ich bloß mein Instrument,
den Koffer hab ich neulich verpfändt‘.

Eine Hülle brauch ich, eine Hülle,
gesammelte Müllbeutel hab‘ ich in Fülle,
schützend umwickelt mit Cellophan,
zum Schatz fährt er mit Cello in der Bahn.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Theater der Unterdrückten

Kommunikation ganz nah am Menschen

Das ganze Leben kann man durchaus als Theater bezeichnen, wobei es ohne Zuschauer, Gagen, Beifall und der künstlerischen Auseinandersetzung stattfindet, eben gekennzeichnet ist von den Problematiken des Alltags. Nein, ganz so einfach sollten wir den Begriff des Theaters nicht benutzen, auch wenn es verlockend erscheint, auf diese Weise einiges sich zu erklären.

Eines hat sich der brasilianische Regisseur, Theaterautor- und Theoretiker, Augusto Boal, schon dabei gedacht, als er vier andere Theaterformen entwickelte: Theater der Unterdrückten, Unsichtbares Theater, Forumtheater und Legislatives Theater. Sicherlich haben dabei seine Vorbilder Bertold Brecht und Konstantin Stanislawski mit dazu beigetragen, auf solch naheliegende Veränderungen in der sonst üblichen Theaterwelt hinzuwirken. Soziale Probleme und politische Kritik standen im Vordergrund der Überlegungen. Im Laufe der 1950er Jahre entwickelte er bereits seine erste neue Theaterform, das Theater der Unterdrückten am Núcleo do Teatro de Arena in São Paulo.

Dabei kehrte er die sonst übliche Form am Theater radikal um: Hierbei soll der Zuschauer die Handlung aktiv mitgestalten wie im Forumtheater, wobei das Ende einer schlechten Szene durch einen ersonnenen „Joker“ zu einem anderen, besseren Ende gebracht werden soll, der Zuschauer aktiv beteiligt wird, sich mit einzubringen. Ein Fragewort- und Antwortspiel entsteht, ein Prozeß wird in Gang gesetzt, das Forumtheater stellt somit auch eine Hilfe dar, brisante Konfliktsituationen in der Alltagspraxis besser meistern zu können, da man sie ja bereits „gespielt“ hat.

Das aus dem Forumtheater weiterentwickelte Legislative Theater geht sogar so weit, das Publikum zu benutzen, in dem diesem gesetzgebende Rollen verpaßt werden, z.B. als Senatoren oder Stadtrat sich zu versuchen. Hierbei dürfte durchaus interessant sein, inwieweit der ein oder andere Zuschauer sich nicht nur wiedererkennt, sondern in der Autoritätsrolle seine ureigenen Stärken und Schwächen ausloten kann.

Na, schon mal erlebt, live und hautnah? Da beginnen urplötzlich Menschen einen Streit in der U-Bahn, es eskaliert, Unbeteiligte trauen sich sogar, sich verbal einzumischen, doch am Ende stellt sich heraus, es war ein Experiment, so vielfach geschehen  z.B. in Berlin. Diese Methode, die eigentlich ihren Ursprung in der nachrevolutionären Sowjetunion der 1920er Jahre hatte, übernahm Boal und schuf somit das „unsichtbare Theater“.

In der Öffentlichkeit spielen Schauspieler tatsächlich Theaterszenen, ohne daß ein Publikum darüber in Kenntnis gesetzt wird. Der Überraschungsmoment ist dadurch gegeben, wobei er für alle eine gewisse Herausforderung darstellt, der Gesellschaft wird auch klar vor Augen geführt, welche Formen der Unterdrückungen existieren, eben weil dies vorher abgesprochen inszeniert wesentlich schärfer dargestellt werden kann, im „kontrollierten Rahmen“, aber dennoch sehr nah an der Alltagswirklichkeit. Straßentheater haben dabei ganz ähnliche Berührungen zum Publikum, nur daß dieses vorher weiß, es findet Theater statt.

Neues Projekt im Theater der Unterdrückten in Wien

Die LGBTQIAN*Theatergruppe wurde für alle queeren Menschen ins Leben gerufen,  wie auf der Homepage des TdU Wien beschrieben wird. Die Homophobie ist immer noch weit verbreitet und verzweigt in der Bevölkerung präsent, sollte genau so wenig unterschätzt werden wie Rassismus. Immer dann, wenn bestimmte Menschen keiner Norm entsprechen in den Augen einer intoleranten Gesellschaft, neigen Verunsicherte gern dazu, einfach ihr Unwissen in Repressalien den „Abnormalen“ gegenüber verpassen zu müssen, anstatt sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Insofern sind solche Projekte äußerst hilfreich und auch begrüßenswert.

Inzwischen wird das Theater der Unterdrückten weltweit in rund 70 Ländern eingesetzt, in Deutschland entstand es schon in der 1970er Jahren. Das Grips-Ensemble hat z.B. ganz ähnliche Aufführungen inszeniert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

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Alle Neune

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Ihr zu begegnen
war wie das Hören
der Kirchenglocken
zur Andacht,
berufen ihr zu folgen,
oder das Läuten
der Glöckchen
vor Uhrengeschäften,
diese lieblichen Melodien,
die sich im Geist festsetzen,
ständig neu erklingen,
man konnte und wollte
sie nicht vergessen,
so war sie,
von Trübsal frei,
die Muse,
die Schwester im Herzen,
die Freundin im Geiste,
die Seelengefährtin,
blöd nur,
wenn alle Neune
beim Einkaufsbummel
dir über den Weg laufen,
versteck dich,
zusammen klingen
ihre Schellen
fürchterlich,
Guggemusik
dagegen zur
Meditation verhilft.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Hamburgs Bürgerschaftswahl fast belanglos

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Wahlprognosen verdeutlichen kaum Veränderung

Erneut meinen manche Medien, sie müßten das Kurzzeitgedächtnis der Wähler bemühen, dabei werden schnell die Ergebnisse der letztmaligen Bürgerschaftswahlen vor fünf Jahren außer acht gelassen. Welch fatales Signal, was tief blicken läßt. Umso wichtiger einiges gerade zu rücken.

Die SPD solle laut MOPO bei neuer Umfrage davoneilen, so daß obendrein die Hamburger die AfD aus dem Parlament kicken. Nur mal zur Erinnerung, 2015 erzielte die SPD immerhin 45,6 Prozent, jetzt sollen es gerade mal 39 Prozent werden können, dafür hätten die Grünen ihr Ergebnis fast verdoppelt, da kann man von einem Davoneilen sprechen. Der scharfe Beobachter sieht kaum einen Unterschied zwischen 6,1 Prozent vor 5 Jahren bei der AfD und den jetzt prognostizierten 6,0%. Da mag man kaum ein „aus dem Parlament kicken“ entdecken.

Die Welt sich schön reden, das wird nicht hilfreich sein

Das gilt wohl erst recht für die Hansestadt, die ohnehin keinen leichten Stand hat, immerhin verbockte gerade die SPD unter Olaf Scholz manch ungereimtes beim letzten G20-Gipfel 2017, während voller Inbrunst von gewaltbereiten Demonstranten die Rede war, spielte der SPD-Bürgermeister das brutale Verhalten der Polizei herunter, von dieser sei keine Gewalt ausgegangen, Konsequenzen bleiben einfach aus.

Erneut übersieht die verantwortliche Politik die Botschaft, die sich mit derartigen Entscheidungen nach außen offenbart. Linke Gruppierungen verteufeln, während man den tatsächlich latent vorhandenen rechten Terror herunterspielt, oftmals nicht beim Namen nennt, außer wenn das Faß überläuft wie jüngst in Hanau.

Die SPD wird eher die meisten Stimmen verlieren

Sollten die Prognosen sich bewahrheiten, wobei die FDP tatsächlich bangen muß, nicht mehr im Plenarsaal Platz nehmen zu können. Kein Wunder nach dem Thüringer Dammbruch, dies nehmen die Wähler ihr natürlich krumm.

Das desolate bevorstehende Ergebnis der CDU, welches die Hamburger Morgenpost verkündet, erscheint ein wenig übertrieben, schließlich stünden jener Verlust von 4 Prozent der Stimmen den zu erwartendem Minus von 6,5% bei den Sozialdemokraten gegenüber. Insofern übertreibt die MOPO, während dennoch der Bürgerschaftsabgeordnete Kazim Abaci (SPD) und der Bezirkspolitiker Dennis Paustian-Döscher (Grüne) sich freuen, wenn die Faschisten aus der Bürgschaft gekickt werden, weil eine gezielt höhere Wahlbeteiligung noch für entsprechende Überraschung sorgen kann. Am Sonntagabend wissen wir mehr.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Schwarzblaue Tinte

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Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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